Nicht verdient III

Der Bekannte sagte: Ich will verdienen ohne zu arbeiten. Er schien mir einer der Cleveren zu sein, die sich immer einen Vorteil ergattern können und an der Grenze des Rechts die Lücken finden, um sich zu bereichern. Das gefiel mir nicht.

Das löst in mir Fragen und eine Spannung aus, denn ich verdiene genau nach den Stunden die ich arbeite. Das hat eine gerechte, aber auch mühevolle Seite. Mir kam in den Sinn, dass der Bauer pflügt, sät und erntet. Er bring nicht den Regen und lässt es nicht wachsen – das geschieht wie von selbst – ein Geschenk! Wieder ertappe ich mich im altern Denkmuster vom selber verdienen.

Parallel dazu entwickle ich seit Neuem eine Verkaufsprodukt und plötzlich werde ich konfrontiert mit Margen und Gewinn, der durch Verkaufszahlen erwirkt wird – eine andere Welt für mich! So frage ich mich heute wieder: Bin ich bereit, Geschenke anzunehmen? Ja, ich bin bereit – und will auch nicht vergessen, den Segen weiter zu geben.

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Mein Erbe

Letzten Sommer kam eine Nachricht per Mail: Das Land meines Grossvaters soll verkauft werden und meine Cousine ist schon so verzweifelt, weil sie keinen Käufer finden kann, dass sie es der Stadt verkaufen will. Ich habe das sehr kurzfristig erfahren. Bitte schreibt mir bis heute abend, falls ihr Interesse habt.

Also sofort dahin, auf den Hügel! Mein Mann und ich klettern wie Diebe über den Zaun in eine unheilvolle Wildnis von x toten Bäumen und alles dunkel zugewachsen – aber ein kleines Häuschen, ein Schopf, eine wunderbare grosse, alte Linde davor und eine verborgene Aussicht auf die Stadt. Man ahnt das Paradies, wenn erst mal angepackt geworden ist. Etwas ängstlich aber doch entschieden melden wir uns – wir sind die einzigen. Und wir bräuchten ein Darlehen meiner Eltern…

Am drauf folgenden Tag kommt wieder eine Nachricht von meinen Eltern: Wir haben vor drei Monaten beschlossen, euch pro Enkelkind 10’000.- zu überweisen als ‚Zustupf‘ für die Ausbildung. Und unglaublicherweise ergab dies für uns genau den Kaufpreis. Meine Eltern versicherten mir, dass das reiner Zufall war! So wussten wir: Wir erben eine Land! Und noch immer schweben wir im Hochgefühl dieser Pracht, obwohl es alle unsere körperlichen Kräfte kostet! Und mein Gebet vom letzten Beitrag erhält eine ganz andere Bedeutung.

Nicht verdient II

Als Kind sagte ich mir und andern: Ich will einmal nichts erben. Ich werde selber meinen Reichtum verdienen! Damit fühlte ich mich gut, da es ein Statement meiner Rechtschaffenheit war. Ich wollte nicht zu denen gehören, die nur darauf warten, die Eltern auszunehmen. Das fühlte sich für mich an wie Verrat und Betrug und grenzte an Raub.

Und so erbte ich nicht – und meine Mann auch nicht. Andere Eltern übergaben in der Phase der Familiengründung ihrer Kinder Erbvorbezüge, Darlehen oder Aktien. Aber meine wollten die spät geebten Vermögen selber behalten. Wenn man wenig zu leben hat, fällt das einem auf. Und es machte mich immer mal wieder neidisch – bis mir dieser Satz, diese Festlegung, in Erinnerung kam.

Die trug ich dann etwa 5 Jahre mit mir herum, bis mir klar wurde, dass es eine Deklaration brauchte: Ich musste mein Statement löschen. So betete ich laut, dass ich zu stolz war, um Geschenke anzunehmen und erklärte jenen Satz für ungültig. Ich sprach aus, dass ich gerne unverdienten Segen annehmen möchte und auch weiter geben.

Etwa zwei Jahre später erbten wir ein Stück Land – aber das ist eine eigene Geschichte…

Nicht verdient I

Eben fragte ich ein Familienmitglied, das heute vor einer grossen Abschlussprüfung steht, ob es einen Segen wolle. – Nein, das habe ich nicht verdient, war die Antwort. Es ist eine Frage der Demut, ob man Geschenke annimmt oder nicht, war meine Entgegnung. Es wäre nicht gerecht, wenn ich eine gute Note hätte, kam zu mir zurück und dabei blieb es.

Ich schätze diese Gerechtigkeitsliebe, diese Aufrichtigkeit und Ehrenhaftigkeit, die mir da entgegen kommt. Aber aus meinem Herzen kenne ich, dass sich dahinter auch ein (grosses?) Mass an Stolz und Selbstgerechtigkeit verbirgt. Und in den nächsten Beiträgen teile ich meine Erfahrungen diesbezüglich.

Zwei Bäume

Früher dachte ich: Hätten doch Adam und Eva nicht vom verbotenen Baum Früchte gegessen, dann wären wir heute noch im Paradies! Aber eigentlich stehen die beiden Bäume noch heute in unserem Lebensgarten und wir haben täglich die Wahl, von welchem Bau wir Früchte essen.

Aufgeklärte Menschen loben den Baum der Erkenntnis und erhoffen sich eine heile Welt, wenn wir selbst alles in den Griff kriegen, und die Probleme lösen können. Aber Wissen gibt erst mal Macht, aber nicht eine bessere Welt. Die Geschichte der attraktiven Frucht endet in einem Beziehungsbruch und in Schutzlosigkeit und Verlassenheit, dann zu Rivalität bis hin zu Mord.

Aber den Baum des Lebens kennen wir nicht so gut – seine Frucht soll ewiges Leben geben! Wir haben keine Erfahrung damit, diese Frucht wurde nicht gegessen. Doch dieser Baum steht auch in unserem Lebensgarten. Was für ein Geheimnis, diese Frucht zu suchen und ihr Geheimnis zu ergründen!

Verliererinnen 4

Eine junge Freundschaft ohne Sex ist eine Zerreissprobe. Dieses Drängen nach körperlicher Nähe ist echt eine Herausforderung. Aber wie kann eine Partnerschaft geprüft werden, wenn nicht im Verzicht auf die Süsse der Intimität? Es gibt dann viel Zeit für Gespräche und Verzicht üben ist keine schlechte Voraussetzung, um auf die wahren Herzensmotive zu stossen – so jedenfalls habe ich das erlebt. Wer für etwas verzichtet, leistet einen Beweis von Wertschätzung und Ernsthaftigkeit. Das sollten wir uns (Frauen) nicht nehmen lassen, auch wenn es dem Mann vielleicht schwerer fällt. Wer einen Ehebund im Visier hat, sollte diese kostbare Prüfungsphase nicht versäumen. Und glaube mir, die Frage der Ehevorbereitung wird auf diese Weise ganz natürlich thematisiert werden…

Zu viele Frauen habe ich erlebt, die unter Tränen schon jahrelang auf eine Eheschliessung warten und der Mann findet auch ohne Bund alles in bester Ordnung – für ihn stimmt es so.

Verliererinnen 3

Frauen werden schwanger – Genderstudies hin oder her. Das Kind ist im Bauch der Frau – wen wundert’s, dass über Jahrtausende junge Mädchen von Vätern und Brüdern beschützt wurden. Noch immer ist die Frau diejenige, die bei einer Empfängnis für das werdende Kind Leib und Leben gibt: Verantwortung und Versorgung – ein Vertrag für 18 Jahre und mehr oder ein Bruch oder Abbruch, der ihr Herz zerreisst. Ist sich ein Mann WIRIKLICH bewusst, womit Sex zusammenhängt?

Verliererinnen 2

Frauen brauchen für eine erfüllte Intimität einen Ort der Geborgenheit und des Schutzes. Man liest immer wieder, dass viele Frauen erst mit 40 oder 50 Jahren sich beim Geschlechtsverkehr wirklich wohl und frei fühlen. Was läuft da schief? Vielleicht sollten wir erkennen und anerkennen, dass die junge Frau sich total geliebt und angenommen und total wertgeschätzt fühlen muss, um sich ganz hingeben zu können, was dann auch emotionale Erfüllung ermöglicht. Offenbar ist das beim Mann einfacher und ‚funktioniert‘ auch mit weniger idealen Rahmenbedingungen. Empfindungen sind fein und sensibel – entweder wir gehen auf sie ein oder sie werden zertreten.

Verliererinnen 1

In einer Gesellschaft der ungebundenen Sexualität sind eindeutig die Frauen die Verlierer. Zwar gibt es einzelne Frauen, die maskuline Wesenszüge in sich tragen oder gar für die Gleichstellung der Geschlechter eine eher männliche Rolle einnehmen wollen, aber eine Haupttendenz der Ungleichheit ist für mich offensichtlich. In den nächsten vier Beiträgen möchte ich Aspekte davon herausarbeiten.

1. Die Sehnsucht einer beziehungsfähigen, jungen Frau ist eine Freundschaft mit Tiefgang und Zukunft. Sie will emotional erkannt werden und eine seelische Freundschaft aufbauen. Die Erfahrung zeigt uns aber, dass die meisten jungen Männer in dieser Hinsicht eher geringes Interesse zeigen und der Drang nach körperlicher Befriedigung dominiert. Um zu gefallen lassen sich junge Frauen überreden. Aber die körperliche Leidenschaft täuscht leicht über den Mangel an seelischer Freundschaft hinweg.

Ich glaube, dass junge Männer, die beim Aufbau einer Beziehung auf Sex verzichten, besser in der Lage sind, ihre Herzensregungen wahrzunehmen oder gar auf diese Ebene gelockt werden, gerade weil das Verliebt-sein seine körperliche Erfüllung noch nicht finden kann: Das eröffnet eine neue Sichtweise auf das weibliche Gegenüber.

Traumbotschaft

Die Amerikanerin Jennifer Doudna ist im wissenschaftlichen Forschungsteam, wo der Schlüssel zur Genveränderung gefunden wird – nicht auszudenken, welche Macht dieses Wissen bedeutet!

Sie beschreibt im Interview einen Traum:

Die Wissenschaft machte damals rasende Fortschritte. Die ersten probierten die Technik schon bei Affen aus, doch die Menschen in meinem «normalen» Leben – meine Freunde und meine Nachbarn – hatten keine Ahnung davon. Das machte mir grosse Sorgen. Ich dachte: Keiner weiss, was da abgeht, nicht einmal die Regierung. Da träumte ich eines Nachts, ich betrete einen Raum, in dem eine Person auf einem Stuhl sitzt, den Rücken zu mir gewandt. Ich kann die Person nur als Silhouette sehen. Eine Stimme sagt: Hier ist jemand, der mehr über Crispr wissen will. Nun dreht sich die Person im Stuhl um, und ich kann sehen, dass sie eine Schweineschnauze hat wie ein Mischwesen. Über ihrem Maul sitzt ein kleiner Schnauzbart. Die Person schaut mich mit starrem Blick an, und ich erkenne: Hitler. Es war grauenhaft! Ich wachte auf, schwitzend und mit klopfendem Herzen. Da wusste ich, dass ich vor meiner Verantwortung als Crispr-­Mitentdeckerin nicht davonrennen kann. Seither engagiere ich mich in der öffentlichen Debatte.

Woher kam dieser Traum? Er erscheint wie eine Warnung vom Himmel, die auch eine Frau ohne Glaubenshintergrund versteht und ernst nimmt!

Aus dem Interview: https://folio.nzz.ch/2019/mai/heiliger-strohsack-das-wird-krass

Morgenwort

Eines Morgens erwachte ich nach einem sehr berührenden Traum mit einem klaren Satz in meinem Geist: ‚Achte auf eine Atmosphäre, in der jeder sein Herz teilen kann‘. Noch nie war ein Satz so klar von aussen in mein Hirn gedrungen und ich begann seine Deutung zu reflektieren: Oh, klar, in unserem Land kann jeder seine Meinung sagen, wir sind ein freies Land – war mein erster Gedanke. Dann: In meiner Umgebung kann eigentlich jeder sagen, was er findet – das ist gut. Aber im Laufe des Morgens kam der Satz wie ein Echo wieder und wieder.

Plötzlich merkte ich beim näher Hinhören, dass die wenigsten Menschen in meinem Umfeld wirklich sagen, was sie denken. Plötzlich erkannte ich Situationen, in denen ich mir sicher war, dass Dinge verschwiegen, übergangen oder verdrängt wurden und dass eigentlich überhaupt nicht ein Klima herrscht, in dem auch unangenehme Dinge angesprochen werden können. Da realisierte ich, dass ich es selbst lernen musste, auf Freunde zuzugehen, um ihnen mein Herz zu offenbaren. Ich übe es noch immer und es kommen sehr gute und lebensverändernde Prozesse in Gang. Es ist ein Anfang, aber ich spüre, dass es der Boden ist, auf dem tiefe Freundschaft wachsen kann.

Kinder im Wertgefüge

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Was machen die Werte der Eltern mit ihren Kindern?

Es gibt Eltern, bei denen ist sportliche Leistung gross geschrieben. Sobald das Kind körperlich etwas erreicht, wird es gelobt und geliebt. Schon als Baby wird das Kind spüren, dass es in diesem Bereich besonderes Interesse und grosse Aufmerksamkeit erhält, Freude und Stolz auslösen kann oder mit einer Umarmung belohnt wird.

Andere Eltern finden es besonders attraktiv, ein musikalisches Kind zu haben. Sobald ihr Kleinkind singt, tanzt oder trommelt findet es in den Augen der Eltern Glück, Jubel und grosse Ermutigung. Wieder andere wollen Künstler grossziehen und werden in jeder Zeichnung den Meister entdecken, lobend und anerkennend ihr Augenmerk auf jedes kreative Schaffen des Kindes richten.

Wieder andere wollen ein super intelligentes Kind haben. Sobald es Buchstaben und Zahlen entziffern kann, bricht Begeisterung aus und die Zuwendung steigt sofort. Noch andere lieben Unterhaltung und erfreuen sich besonders, wenn das Kind den Clown spielt. Also muss sich das Kind viel lustige Sonderverhalten ausdenken, um gesehen, wichtig genommen und geschätzt zu werden.

Wieder andere lieben durch ihren Hintergrund, ein unabhängiges, selbstbewusstes und vorlautes Individuum aufzuziehen, dass sich durchsetzten kann und als Sieger unter andern hervorgeht. Dann wird das Kind Applaus ernten, wenn es sich eigensinnig und dominant verhält. Logischerweise wird dieses Kind den Zugang zur Gemeinschaft wesentlich erschwert suchen müssen.

Es gibt noch weitere Werte: Schönheit, Naturverbundenheit, Unauffälligkeit/Angepasstheit, oder exotische Werte von der kulturellen Herkunft der Eltern, ordinäres Verhalten oder extrem affektiertes Rollenspiel, Anzüglichkeit oder übermässiges Brav-sein. Wenn wir das Verhalten von Eltern beobachten, entpuppt sich einiges.

So möchten die Kinder den Eltern gefallen, um geliebt zu werden. Sie bringen Höchstleistungen, wenn die Erwartung ihrer Gabe und ihren Möglichkeiten entspricht oder strengen sich vergeblich an und fühlen sich als Versager, resigniert oder in der Rebellion endend.

Die einzige Hilfe aus dem Dilemma ist, dass wir immer wieder das Kind um seiner selbst willen lieben, annehmen, herzen und ermutigen und sein Wesen im Gegenüber entdecken und würdigen.

Selbstbeherrschung

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Man hört es heute selten, dieses Wort. Lust ausleben und neue Kicks sind das grosse Thema der Medien, das momentane Lebensgefühl ist das Handlungsmotiv und eine akzeptable Legitimation.

So wird aus einem reizvollen Augenkontakt ein lustvoller Flirt, der ganz selbstverständlich über ein Ja-Wort zu einem anderen Menschen gestellt wird – oder man  drückt sich von Anfang an vor der Verbindlichkeit, um dem Konflikt zu entgehen. Die Nackt-Popups, die unseren Bildschirm säumen, bringen uns mit einem unschuldigen Klick mitten in den Sumpf der beziehungslosen Körperbefriedigung – wer kann da noch widerstehen? Man hat Lust auf Ferien im Süden, Lust auf Autos, Lust auf Rausch … – das soll einem doch niemand rauben!

Der Mangel an Selbstbeherrschung erhöht das Suchtpotenzial. Denn wenn wir anfangen unsere innere Leere mit körperlichen Goodies füllen zu wollen, geraten wir bald in den Sog der Gier und daraus entsteht Abhängigkeit und Sucht. Ich erspar dir die Varianten, die wir alle im Netz finden – auch die Berichte von all den Gestrandeten, die in den emotionalen Ruin getrieben wurden und ihre Würde auf dem Weg verloren haben.

Kindern in Liebe Selbstbeherrschung beizubringen, ist eine starke Waffe gegen die Verführer wie Selbstmitleid, Überforderung oder Lustlosigkeit. Masshalten ist zwar nicht so trendy explosiv, aber wer gesund alt werden will, wird sich damit auseinandersetzen müssen.

 

Zeit und Raum

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Vielleicht gibt es die Zeit nur, weil wir räumlich in einer kleinen Zelle des Universums stecken. So wie für eine Fliege eine schnellere und kurzfristigere Wahrnehmung möglich ist, weil sie so klein ist und ihr Agieren in einem Miniuniversum anderen zeitlichen Gesetzten unterliegt, so ist auch unsere Erde den ihrer Massstäblichkeit entsprechenden Gesetzen unterworfen.

Wenn wir weiter nach aussen zoomen, ändert sich das Zeitverhältnis noch einmal und wir haben es mit Lichtjahren zu tun – da erscheint unser kurzes Leben einem Fliegen-dasein, das nur einem kurzen Aufleuchten gleich kommt. So könnte es sein, dass alle Galaxien, Materie, Energie und Zeit, ja der Raum an sich, nur als Gesetz einer kleinen Zelle erscheint, die in ihrer minimalen Dimension wirksam ist, aber rund herum ist die allumfassende Existenz und Ewigkeit, die Raum und Zeit überspannt, in sich fasst oder umgibt – Zeit und Raum ist nur ein Phänomen der mikroskopischen Ansicht. So könnte sich erklären, dass Gott allumfassend unabhängig von Zeit und Raum die Erde umgibt. Seine Existenz ist überall und unsere Welt ein Teil seiner selbst.

Werdegang

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Als Kleinkinder haben wir Spass am Mitmachen und lassen uns ein. Dann lernen wir Kontinuität und gehen auch, wenn es nicht nur Spass macht. Später können wir mal nicht mitmachen und lernen, dass es wertvoll ist, mitmachen zu dürfen. Danach erkennen wir den Sinn und die Wichtigkeit unseres Beitrages und geben alles. Dann sehen wir ein, dass es auch ohne uns geht und lernen fernzubleiben, ohne unser Wertgefühl zu verlieren. Und dann ermutigen und unterstützen wir diejenigen, die im Lernprozess etwas jünger sind. Und am Ende ist es nicht mehr so wichtig, was genau wir mitgearbeitet haben, aber wir sind darin zu Menschen geworden.

Erziehung

Erziehung

Wenn wir nur das Verhalten unserer Kinder beurteilen und darauf reagieren, lehren wir es Normen einzuhalten und programmieren ihre funktionale Seite. Wenn wir aber ihr Herz zu erkennen versuchen und hinter dem Verhalten sein Motiv erkennen und darauf unser Augenmerk richten für unsere Reaktion, dann geben wir unserem Kind Herzensbildung, die über blosses ‚äusserliches Richtig machen‘ hinaus geht. Es wird die tieferen Zusammenhänge des Zusammenlebens verstehen und unabhängig von Kultur und Normen sich sicher bewegen lernen. Und in allem natürlich auch die Regungen seines eigenen Herzens verstehen lernen.

Eltern, bei denen vor allem der funktionale Teil gefördert wurde, wird es schwer fallen, eine Sicht für die tieferen Dinge zu entwickeln. Aber wir können immer dazulernen und es ist ein wunderbares Abenteuer, Herzen lernen sprechen zu hören.

 

2017: Wir möchten unser Kind fördern und alles richtig machen. Informieren uns über Erziehungsstrategien, über richtige Ernährung, kaufen pädagogisch wertvolle Spielzeuge oder machen alles richtig mit der Zahnpflege, Reinlichkeit und üben schon Buchstaben im Kindergarten. Das ist alles wunderbar aber weiniger entscheidend, als wir glauben. Was ein Kinderherz – und das ist der Ort, der später ein Menschenleben stark beeinflusst – am meisten prägt, ist die Atmosphäre, in der es aufwächst, das Gefühl, das es täglich einatmet.

Ungeklärte Beziehungsprobleme der Eltern wirken als permanente Bedrohung und belasten ein Kinderleben hundertfach mehr, als die ausgerutschte Hand auf ein freches Wort des Kindes. Was die Eltern ihren Eltern nicht vergeben haben, wirkt im Verborgenen wie Gift auf das Grundgefühl eines Kindes: Familie kann man nicht trauen. Treulosigkeit in den Elternbeziehungen verhindert eine gute Bindungsfähigkeit des Kindes, es kann nicht vertrauen. Das Kind fühlt alles sehr stark, es hat noch keine Mauern aufgerichtet und kann nicht selektionieren, es ist seiner umgebenden Atmosphäre voll ausgeliefert, Tag und Nacht.

Darum hier mein Aufruf: Kläre dein eigenes Leben und räume auf mit faulen Kompromissen, das ist die wirkungsvollste Massnahme für einen guten Boden für deine Kinder. Dann kannst du sogar deinen Erziehungsfehlern mit Gelassenheit entgegensehen: Sie werden überwunden werden, weil deine Kinder durch Beziehung stark geworden sind, Konflikte zu lösen und dem Leben inklusiv Verletzungen vertrauensvoll entgegenzublicken.

Me too – Überdruss

sdr

Die Missbrauchs-Meldungen brechen nicht ab. Langsam mögen wir es nicht mehr hören. Springen jetzt alle auf diese Welle auf und übertreiben und suchen sich Trostpflästerchen für jede Kleinigkeit? Wir können ja nicht täglich erschüttert sein, täglich weinen, täglich unser Herz mit diesem Leid martern. – Das fühlen wohl einige Menschen gemäss ihren Kommentaren im Net.

Was aber wirklich erschüttern sollte, ist die Tatsache, dass wir in engsten Beziehungen leben, die über Jahrzehnte an der Wahrheit vorbei gehen. Dass Eltern offenbar nicht in der Lage sind, Kinder zu schützen. Dass Freundschaften so unsensibel gelebt werden, dass Wahrheit nicht zumutbar ist. Dass unsere Gesellschaft das Unschöne mit Macht negiert anstatt Transparenz und Sicherheit anzustreben.

Wir wissen, dass Opfer leicht zu Tätern werden. Umso mehr ist die Lösung, Opfern nachzuspüren und ihnen Hand zu bieten, damit diese massive Sinneszerstörung von Menschen ausgerottet werden kann. Wir müssen es aushalten, dass endlich, endlich, die Wahrheit ans Licht kommt.

Kita

Kita

Zweijährige Kinder, die pro Tag 10 Stunden in der Krippe betreut sind, werden 10 Stunden nicht umarmt, nicht geschmust und nicht geküsst. In ihrem Zeitgefühl gemäss ihrer Lebensdauer entspricht das über 8 Tage Entzug des liebsten Menschen für einen 40-jährigen. Ich war noch selten mehr als 3 Tage getrennt von meinem Mann und schon das fühlte sich schmerzlich an für mich, und mein Herz ist doch einiges fester und stärker als ein Kinderherz. Was tun wir unseren Kindern an?

2017: Mit den Kitas können zwar Eltern verleitet werden, ihre Beziehungsaufgabe und Erziehungspflicht abzuschieben und zu vernachlässigen, dafür fangen sie Defizite der heutigen Gesellschaft auf: Einzelkindern bieten sie ein soziales Umfeld, Ausländerkinder lernen die Landessprache und werden integriert und sie wirken gegen die zunehmende Tendenz der Entfremdung der Gesellschaftsschichten.

Der Titel auf unserer Stirn

Titel auf

Unsere Kindheit holt uns ein, wenn wir uns ihr nicht stellen. Kinder sind so empfänglich, dass Worte, Handlungen und Umgebungssysteme so eingeimpft sind und nachhaltig in Kombination unseres angeborenen Wesens ein Leben lang wirken. So haften an uns Rollen wie ‚der Liebe‘, ‚der Starke‘, ‚das Opfer‘ der Helfer‘, der Kämpfer‘, ‚der Verlierer‘, ‚der Schwache‘, ‚der Unverstandene‘ u.a. Wir funktionieren in diesen Rollen oder kämpfen ein Leben lang dagegen an, versuchen sie zu überwinden und fühlen uns nicht verstanden und nicht erkannt, dabei hülfe der Blick in die Kindheit, Vergebung, Versöhnung und Loslösung von diesem Machtsystem.

Ich z. B. wurde immer als Starke gelesen, was mir jede Barmherzigkeit anderer entzog: Du kannst das – das Lob und der Glaube an mich fehlte nicht. Aber es gab für mich keinen Trost, kein Mitgefühl, kein Erbarmen. Ich konnte in totaler Überforderung stehen nahe an der Traumatisierung und das erkannte niemand, weil ich ein Schild auf meiner Stirn trug ‚die Starke‘. Heute vermute ich, dass ich nicht fähig war, meinem Befinden Ausdruck zu verleihen. Aus meiner Kindheitskrankengeschichte lernte ich, immer stark zu sein und war gleichzeitig auf ‚Opfer‘ programmiert, das alles über sich ergehen lässt.

Ich entwickelte keine natürlichen Signale von Schwäche und formulieren konnte ich sie auch nicht. So blieb mein innerer Zustand verborgen und unerkannt und ich fühlte mich alleingelassen und übersehen und hegte grosse Anklage gegen meine Nächsten. Bis der Moment kam, wo ich dieses Rollenmuster mit seinem Hintergrund erkannte und austieg daraus. Ich musste lernen, zuerst mir selber Schwäche einzugestehen, dann zu zeigen und zuzulassen, dann Trost anzunehmen. Das veränderte zusehends auch das Verhalten der andern mir gegenüber, als würde das Schild auf meiner Stirn ‚die Starke‘ entfernt.

Anknüpfen

anknüpfen

Wir hegen heimliche Wünsche vom grossen Durchbruch, wundersamen Fügungen und von überraschenden Siegen im Leben – aber unsere Aufgabe ist es, immer wieder an die bestehenden Umstände anzuknüpfen und die vorhandenen Möglichkeiten auszuschöpfen, treu und geduldig.

Und plötzlich taucht sie auf, die überraschende Chance – von der wir nicht einmal gewagt hätten, zu träumen. Jetzt ist nur die Frage: Gehen wir das Wagnis ein oder wählen wir die Sicherheit und Bequemlichkeit? Betreten wir das Neuland und brechen auf oder ziehen wir uns zurück in Furcht und bleiben, wo wir sind?

Ich mache grade meine wackligen Schritte in neuem Land, einem grösseren, als ich mir je erträumt hätte, und ich nehme allen Mut zusammen, um darin vorwärts gehen zu können. – Und auf diesem Weg werden wieder alte Meinungen und Urteile als falsch beerdigt, damit ich nebenbei ein kleinwenig der Wahrheit des Lebens näher käme.

Hölle

Hölle

Was wäre, wenn die Hölle die brennende Reue wäre durch die Einsicht unserer Hartherzigkeit und unseres Egoismus – zu einem Zeitpunkt, an dem diese Erkenntnis zu spät ist?

2017: Vielleicht ist die Hölle, dass wir unseren Willen kriegen. Und das jetzt schon. Falls Gott wirklich Gott ist und höhere Gedanken hat zum Leben als ich erkennen kann, sollte ich mich echt danach ausstrecken. Vielleicht bedeutet ‚Dein Wille geschehe‘ die Rettung vor uns selbst. Vielleicht erhalten wir am Ende wirklich genau das, was wir begehren und das mit allen Konsequenzen.

Mein Herz finden lassen

Herz finden

Ein anderes Herz suchen, ist eine kostbare Sache. Auf jemanden zugehen um seiner selbst Willen ist sensibel und heilig und schon eine Seltenheit. Wenn wir ganz ehrlich unsere Motive prüfen, schauen wir in kleinere und grösser Abgründe, wo wir uns einen Vorteil verschaffen wollen…

Wenn wir unser Herz finden lassen, heisst das, das unser Herz gesucht wurde. Und wenn wir uns darauf entscheiden, eine Tür aufzutun und echt Einblick zu gewähren, dann kommt der Himmel auf Erden. Und das kann in einer ganz simplen Freundschaft geschehen.

Erkannt werden

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Erkannt zu werden, ist das tiefstes Verlagen und höchste Glück einer beziehungsfähigen Kreatur. Darin ist enthalten, gefunden und gesehen zu werden, Interesse und Anteilnahme zu spüren, angenommen und wertgeachtet zu sein, und das ehrlich ausgedrückt auf verschiedenste Arten.

Wenn Menschen das erleben – je früher, desto besser – dann werden sie fröhlich, entfalten ihre Gaben und Visionen und werden stark und fähig, andere genauso wahrzunehmen. So wird die Welt glücklicher ohne Anhäufung von Geld und Krisen können unversehrt überstanden werden.

Kampf für die Wahrheit

Kampf um die Wahrheit

Wir brauchen für die Wahrheit nicht zu kämpfen oder sie verteidigen, andere von ihr zu überzeugen oder sie als Keule zu schwingen. Die Wahrheit muss nur hörbar ausgesprochen werden – sie spricht für sich. Denn jeder kennt sie und erkennt sie, wenn er nur will. Und wenn er nicht will, wird auch Gewalt daran nichts ändern.

Aber hörbar muss sie gesprochen werden, damit sie ihre innewohnende Kraft entfalten kann, die Lügen und Schein zum Schmelzen bringt. Sie schafft Sicherheit, auf die man aufbauen kann.

Teil sein

Teil sein

Sich als Teil eines Ganzen zu sehen und zu fühlen hat verschiedene positive Auswirkungen auf unser Leben: Wir fühlen uns nicht isoliert, sondern verbunden; wir werden nicht durch Verantwortung und Sorgen erdrückt, weil andere mittragen und wir haben unseren Platz im Gefüge, der spezifisch für unsere Persönlichkeit passt und nicht konkurrenziert wird. Diese Lensqualität ist nur unter einer Voraussetzung möglich: Wir müssen den inneren Drang überwinden, uns über den andern zu erheben, ihn zu dominieren und zu manipulieren und uns auf die selbe Ebene begeben.

Scherzen

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Manchmal hilft das einfältige Scherzen, uns der Wahrheit anzunähern. Die Schwere der Wichtigkeit blockiert unsere Gedanken und ängstigt uns. Aber etwas Humor löst uns heraus und macht Worte möglich, die wir sonst nicht ertragen könnten – zu nennen und zu hören. Sie können einen guten Prozess in Gang bringen. Aber Vorsicht ist geboten bei Zynismus und Sarkasmus – die wirken wie Gift!

Für andere Glauben

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Wenn wir Menschen aufgeben und nicht an ihre Wiederherstellung glauben, stossen wir sie nochmals in einen Abgrund.

Die Menschen, die in ihrer ersten Entfaltung massive Zerstörung erlitten haben, sodass ihr Wille und ihr Sein und damit ihre Fähigkeit zu hoffen, zerstört wurde, sind nicht in der Lage, eine Perspektive für die Zukunft zu finden und fest zu halten. Sie brauchen diese Hand, die sie auf einen festen Grund zieht. Das geschieht dadurch, dass ein Freund stellvertretend für sie glaubt und hofft und festhält, dass es Heilung und ein lebenswertes Leben gibt und dies durch Wort und Tat immer wieder der Vergeblichkeit entgegenhält.

Individuell

individuell

Was für dich gilt, gilt nicht für mich… Nach einem Jahrhundert gesellschaftlicher Normen und fixen Rollenverständnisses sind wir deutlich in ein Jahrhundert der Individualisierung gewandert. Die Älteren sind noch daran, ihre Hülsen von Identitätsbildern loszuwerden, während die Jungen um ihre ureigene Identität ringen. Wir haben erkannt, dass Gefäss und äussere Form nicht das Zentrale darstellen und suchen nach dem tieferen, den Wünschen und Bedürfnissen, nach unserem echten Wesen.

Jeder kann heute denken, glauben und tun, was er will. Jeder definiert sein eigenes Gottesbild, findet seine individuelle Beziehungsform und gestaltet seinen Umgang nach seinen Bedürfnissen. ‚Mein Gefühl‘ wird zum Lebenskompass.

Unsere Eigenart und Einzigartigkeit ist jedoch nicht dafür geeignet, grundsätzliche Lebensziele zu definieren, sondern die Art und Weise des Weges dahin. Wenn wir das Fernziel dem Wandergefühl unterordnen, verirren wir uns heillos. Jeder soll seinen eigenen, individuellen Weg gehen und gehen dürfen, aber ein festes Ziel, das durch beständige Werte definiert ist, wird dadurch umso nötiger. Das verlangt nach Mündigkeit und Orientierung, da nicht mehr alle synchron auf derselben Strasse gehen.

Erinnern wir uns an die unumstösslichen Werte, die Leben schützen und Gedeihen lassen: Jeder achte und ehre den andern wie sich selbst. Und das ist die unterste Stufe von Liebe. Mit dieser Zielfestlegung hast du noch immer einen gewaltigen Entwicklungsspielraum, deine Eigenarten und Spezialitäten zu entwickeln, kreativ, frei und wild deinen individuellen Weg zu gehen.

Wunden heilen

wunden heilen

Herzenswunden heilen nicht durch Erklärung und Erkenntnis, sondern durch erkannt werden. Wenn wir in unserer Zerbrochenheit gesehen werden, wenn jemand unseren Schmerz mitfühlt und in Gedanken und Empfinden mit uns an den Ort der Qual kommt, kann in uns Ruhe und Frieden einkehren. Dann wird Versöhnung und ein Neuanfang möglich.

So erklärt es sich vielleicht, das die tiefsten Abgründe von Schmerz so schwer heilen, weil kaum einer da ist, der diese Zerbrochenheit nachfühlen kann – ausser einer, der verraten, verflucht, geschlagen und gefoltert wurde bis in den Tod und uns ansieht und mit uns mitfühlt. Das ist unsere Hoffnung.

Anders ist auch gut

anders

Wenn es anders kommt, lehnt sich in uns unwillkürlich etwas auf. Unser Wille unsere Vorstellung kommt nicht zum Zuge. Aber das ‚andere‘ sollten wir nach Gutem prüfen. Prüfen, wo sein Schatz liegt, prüfen, ob es sogar eine Option ist, die für etwas anderes hilfreicher ist, das wir nicht im Auge hatten. Hier zeigt sich, ob wir bereit sind grösser zu denken, als unsere Erfahrung und ob wir wachsen wollen, oder in unseren Grenzen bleiben.

Entfaltung

IMG_20181226_154314.jpgWenn wir die Gaben anderer aktivieren und einsetzten wollen, müssen wir ihnen auch Felder überlassen, in denen sie wirken können. Nicht nur, ein paar Stunden, sondern als Eigentum. Dass ist die Voraussetzung, dass Kreativität und Schöpfergeist wirksam werden können.

So erklärt sich auch, dass dem Menschen die Erde übergeben wurde, nämlich dass sie ein Feld ist, auf dem er schöpferisch seine Fähigkeiten entfaltet. Er hat die Macht wie ein Eigentümer darüber – inklusive dem Risiko, dass er Zerstörung anrichtet.

 

Alte Mutter

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Auf Reisen als die alte Mutter… Ich fühlte mich unwohl, wollte mich irgendwie verbergen vor Blicken – da holte mich die Erkenntnis ein: Als Jugendliche fand ich Mütter von Ferienbekanntschaften doof. Sie verteidigten das Familienfeld, waren skeptisch und abweisend, uninteressiert und kurzangebunden – ich sehe ihren Blick noch vor mir – ich fühlte mich wie ein Eindringling, eine Bedrohung, man konnte es nie recht machen. Diese Rolle der alten Mutter war in meinem Herzen alles andere als aufregend und attraktiv. Dann aber legte die Versöhnung ihre Hand auf meine Schulter und fragte freundlich: Willst du vergeben?

Zeit, in der wir leben

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An der Zeit sich aufzulehnen ist der gleiche Fehler, wie eine Mutter, die sich wünscht, die Kinder wären schon gross, und wenn sie gross sind, sehnt sie sich nach der Familie zurück. Wir leben in unfassbar spannenden Zeiten und es ist ein Privileg, heute zu leben!
Noch selten lebten wir so sicher, frei und gesund! Wir sollten jeden Morgen einen Freudenjubel über unsere Privilegien erheben!

Gerechtigkeit

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Die gesellschaftliche Gerechtigkeit gleicht zwei Schachspielern, bei denen der eine mit 3 Damen, der andere ohne eine startet. Wer glaubt, dass mit Gesetzten hier Ausgleich geschaffen werden könnte, irrt sich. Allein die Wertschätzung gegenüber dem andern kann gesellschaftliche Ungerechtigkeit aus der Welt schaffen: Herzen die hinsehen und barmherzig sind.

2017: Gerechtigkeit versucht gleiche Chancen und Möglichkeiten, Gleichwertigkeit und gleiche Rechte herzustellen – eine gute, edle Absicht – politisch, wirtschaftlich und sozial. Nun, da im Westen viele Ziele erreicht worden sind, finden wir gefährliche Auswirkungen: Der Erfolgreiche glaubt nämlich, dass seine Errungenschaften einzig und allein auf sein Können und sein Wirken zurückzuführen sind und jeder andere die selbe Chance gehabt hätte und nicht genutzt hat – er wird hochmütig, hart und wird unbarmherzig auf andere herabblicken. Der Glaube an die Gerechtigkeit wird so zum Fallstrick für das soziale Miteinander.

2016: Vielleicht ist es ehrlicher und hilfreicher, zuzugeben, dass es DIE Gerechtigkeit nie gibt, und wir dankbar sein sollten für die persönlichen Errungenschaften und sie bereitwillig teilen. Barmherzigkeit ist deshalb wichtiger, als Gerechtigkeit – obwohl sie juristisch nicht installiert werden kann. Vergessen wir sie nicht!