Gott begegnen

Gott begegnet dir in den Gedanken, in überraschender Inspiration aber auch in der kognitiven oder handfesten Arbeit, er besucht dich auf dein Bitten aber auch spontan zur gelegenen und zur ungelegenen Zeit. Er zeigt sich im Natürlichen – natürlich – aber auch im Übernatürlichen. Er spricht durch den Himmel und das Wetter und er spricht durch deinen Nachbarn und sogar durch Unmündige. Er kennt dein Handeln aber auch deine innersten Gedanken, er sieht sogar die Dinge in dir, die vor dir noch verborgen sind. Er spricht zu dir ohne Worte, durch Umstände und Gegebenheiten, aber auch in Worten, durch Texte und Träume. Er sendet dir täglich Hoffnung, ermutigt dich stündlich und füllt dich mit jedem Atemzug neu mit Leben. Wie schwer ist es zu fassen, dass der Allmächtige immer und überall zu finden ist – sind wir noch wachsam?

Gewalt und Gerechtigkeit

Auf Ungerechtigkeit reagieren viele mit Gewalt oder Gewaltandrohung. Es geht in unserem Herzen ein Abwehrsystem los. Wir sind unseren Emotionen erst mal ausgeliefert und haben uns so daran gewöhnt, dass wir die Reaktion als die einzig normale einstufen und sie rechtfertigen – aber das muss und sollte nicht so sein. Diese Reaktion hat ihre Wurzel in frühen Erfahrungen: Gewalt, die uns angetan wurde. Gewalt bringt Gewalt hervor.

Da jeder lebende Mensch in der Vergangenheit Kind und somit ein schwaches Wesen war, das seinen Eltern komplett ausgeliefert war, ist es sehr wahrscheinlich, dass Fehlprägungen durch Fehlverhalten der Eltern, Gewalteinwirkung und Bedrohung oder Vernachlässigung entstehen. Wir erleben, ich werde nicht gehört, nicht versorgt, nicht wertgeachtet. Ich bin ungeliebt, werde übergangen, dominiert oder gar misshandelt. Dieses Grundgefühl fördert Wut und Aggression und bringt wieder Gewalt hervor. Gewalt ist tief in den vorhergehenden Generationen verwurzelt und zeigt, dass Gewaltanwendung nie Frieden bringen kann.

Der Schlüssel zum Frieden ist Gerechtigkeit – nicht aber Rache. Unter Gerechtigkeit verstehen wir oft, dass ein Täter eine Strafe erhält. Aber das Hauptanliegen der Gerechtigkeit muss die Wiederherstellung des Opfers sein. Das Opfer von Gewalteinwirkung muss hören: Es ist dir Unrecht angetan worden! Du bist nicht geachtet wurden, du bist im Recht! Man hat dir nicht gegeben, was dir zustehen würde. Du bist nicht schuld daran, es das tut mir leid.

Wenn das Opfer sich zur Vergebung durchringen kann, ist die Heilung des Herzens nicht mehr weit. Und wenn unsere Herzen heil geworden sind, wird unsere Reaktion auf Ungerechtigkeit nicht Gewalt sein, sondern eine Konfrontation ohne zerstörerische Energie. Wir werden uns entschieden vor die Opfer stellen, aber nicht schiessen. Wir sollten unser Herz anschauen und an die Wurzeln gehen, denn Veränderung ist möglich und die Gewaltspirale kann durchbrochen werden.

Zwänge überwinden

Mit einem wachen Geist ertappen wir uns, wie gewisse Zwänge sich in unserem Leben breit machen wollen. Ich rede hier nicht von bewusst gewählten, guten Gewohnheiten wie der regelmässige Sport oder die Disziplin, die Küche aufzuräumen. Vielleicht kannst du nicht einschlafen, wenn ein Mail noch unbeantwortet ist, vielleicht musst du die Küche aufräumen, wenn noch die Gäste da sind oder du musst dein Handy permanent an deiner Seite haben. Oder ist es der Griff zur Schokolade?

Zwang ist ein starkes Wort und beschreibt, dass wir etwas tun, was wir nicht wirklich gewählt haben. Es liegt in der Natur eines zwanghaften Handelns, dass man sich selber eine Rechtfertigung zulegt, da sich der Zwang nicht gerne entlarven lässt. Natürlich haben wir ganz viele gute Argumente, warum wir an unserem zwanghaften Verhalten festhalten oder wir nehmen es auf die leichte Schulter – logisch. Der Zwang wird uns dazu verleiten, die Freiheit seinetwillen zu verweigern, denn natürlich ist dahinter eine Macht, die sich durchsetzen will. Wenn dann durch eine Ritze in unserer Gedankenwelt eine Offenbarung des Zwangszustandes hineinbläst, ahnen wir schon, dass ein Kampf ansteht und es ungemütlich wird.

Halten wir den Kopf in den Wind und lassen wir uns von einer grösseren Vision für unser Leben inspirieren, ein Leben in Würde und Freiheit. Wir können uns gegen Zwänge entscheiden, denn wir sind berufen, freie Entscheidungen zu treffen. Wir sind fähig, zu verzichten, wir können warten, wir können aushalten, wir können aber auch aufbrechen und Neues wagen. Wir sind geschaffen, geleitete und nicht getriebene zu sein, richtige Zeitpunkte abzuwarten aber auch sofort reagieren zu können, wenn es dran ist. Wenn wir Zwänge erkennen, können wir sie auch überwinden.

Die nächste Offenbarung wird deine Gelegenheit sein, ein Schritt in die Freiheit zu machen. Sage einem Freund, in welcher Situation du dich nicht frei bewegen kannst. Mache ein Statement, wohin dein Weg gehen soll und übe kleine Schritte in eine andere Richtung ein. Und wenn du Hilfe von oben brauchst, sprich es aus, denn da ist ein starker Helfer, der dich für diesen Kampf ausrüstet.

Räuber oder Lagerfeuer

Tief in unserer Seele gibt es zwei Grundhaltungen, auf Konflikte oder Mangel zu reagieren: Wir gehen ins Dunkel und holen uns, was es zu holen gibt oder wir gehen ins Licht und outen uns der Gemeinschaft.

Es gibt eine permanente Versuchung, in Schwierigkeiten sich unlauteren Methoden zu bedienen, um das zu erhalten, was wir kriegen wollen. Es fängt da an, wo wir unsere Bedürfnisse im Verborgenen halten und unsere eigenen Wege der Befriedigung suchen, weil wir uns nicht abhängig machen wollen. Es sind die Schlupflöcher, die Gelegenheiten, deren wir uns bedienen, obwohl wir genau wissen, dass wir nehmen, was uns nicht zusteht. Es scheint, dass dieses Verhalten nicht gross schadet und man redet sich ein, dass es legal ist, weil es andere auch tun. Ein Irrtum. Unsere Persönlichkeit wandelt sich mit unseren Handlungsstrategien. Wer stiehlt wird immer mehr zum Räuber, wer Hintertüren benutzt, grenzt sich immer mehr aus der Gemeinschaft aus. Gespräche mit alten Leuten offenbaren, wie sehr unsere vielen kleinen Entscheidungen unser Sein prägen und dass wir die Folgen tragen müssen. Harte Wahrheit.

Wir können uns auch entscheiden in Nöten ans Lagerfeuer zu kommen, unserer Not Ausdruck zu geben bei Menschen, die auch vom Licht angezogen wurden. Licht aushalten heisst Wahrheit zulassen und demütig unser bedürftiges Menschsein mit unseren Grenzen vor anderen einzugestehen. Hier werden wir verletzlich, hier werden wir selber schuldig, hier müssen wir unser Herrschen und Einfordern loslassen. Aber hier werden Schätze geteilt und gegenseitige Ergänzung wird wirksam. Hier entsteht Wärme und Gemeinschaft. Hier ist auch die Kraft der Heilung und Wiederherstellung. Und hier werden wir die Menschen, die zwar zerbrochen sind, aber dadurch nahbar, nämlich die Menschen, die sich Gott von Anfang an erträumt hat.

Gedankenquellen

Die Vorstellung, dass wir unseren Gedanken ausgeliefert sind, ist ein gefährlicher Irrtum und eine Lüge, die uns aus der Verantwortung ziehen will oder besser gesagt: Die uns entmündigen will. Natürlich kommen Gedanken spontan und mit ihnen auch Gefühle. Es gibt Gedanken, die kommen in uns hoch und solche, die fliegen uns zu – aber beide Sorten haben eine Quelle, mit der wir etwas zu tun haben.

Eine Quelle können wir aufsuchen und trinken. Was wir getrunken haben, wird in uns wieder zur Gedankenquelle. Dementsprechend sind wir verantwortlich, aus welchen Quellen wir trinken. Was lassen wir in unsere Augen und Ohren hinein? Bei den Gedankenwelten ist es wie mit der Bubble von Google: Mit den Suchanfragen bewegen wir uns in ein Nutzerprofil hinein, das uns künftig mit ähnlichen Angeboten bedient und wir geraten zunehmend in einer spezifische Ecke, die uns von der realen Welt fern hält. Was immer es ist, wir werden mehr und mehr zu dem, was wir anschauen.

Die Richtung unserer Gedanken hat mit der Blickrichtung unseres Geistes zu tun. Wenn wir hoffnungsvoll die kleinen Anfänge ins Auge fassen, werden wir ein Gedankenfeld von Kreativität, Lösungen und Möglichkeiten öffnen. Es werden sich gangbare Wege auftun und es folgen weitere aufbauende Gedanken, die Wege weisen. Hingegen wenn wir die Hilflosigkeit unter Zerstörung wieder und wieder thematisieren, werden wir eine Tür öffnen für Gedanken von Verlust, Mangel, dann Wut oder Resignation. Wir werden zu Propheten von Angriffen und Zerstörung und begeben uns selbst in Angst und Depression und werden unbewusst sogar Mithelfer der Zerstörung.

Die Mechanismen wirken auf Dauer langsam aber stetig. Eine Änderung ist möglich, aber braucht auch wieder Zeit, bis sich die Gedankenwelt neu formiert und eine Festigkeit erhält. Es braucht Achtsamkeit, in welche Richtung wir hören und unsere Gedanken gefangen nehmen lassen. Worauf lassen wir uns ein? – Und manchmal müssen wir bewusst Gehörtes hinter uns lassen, weil es uns beschmutzt und lähmt, damit wir wieder offen sind für Gedanken des Aufbaus und der Hoffnung.

Herzen werden offenbar werden

Es ist die Verheissung für das Reich Gottes – im Himmel aber auch für unsere Welt. Ich dachte bis zu diesem Sonntag, dass dann alle Bosheit, Egoismus, Faulheit und all unser Unrecht zu Tage kommt und wir wie nackt voreinander stehen werden. Ich stellte mir vor, wie die Bösen – zu denen ich sicher nicht gehören will – vor Scham und Schande im Erdboden versinken möchten – was nur gerecht ist.

Diesen Sonntag offenbarte sich mir eine ganz andere Erkenntnis. Ich wurde überführt, dass ich den Fokus auf das Böse gerichtet hatte und nicht auf das Wesen Gottes. Denn wenn der Schöpfer des Universums in unseren Herzen wohnt und die Schönheit seines Wesens in uns regiert, erhält die Offenbarwerdung unseres Innern eine ganz andere Bedeutung: Dann strahlt aus uns Seine Liebe, Seine Kraft, Sein Erbarmen und zwar alles in der Färbung unseres angeborenen Temperamentes. Wenn ER in uns ungebremst heraussprudeln darf, wird ER sichtbar in der Einzigartigkeit, die nur uns als Individuum gegeben ist.

Seine Schönheit und Herrlichkeit im Gewand unseres persönlichen Wesens: sprudelnd extrovertiert oder still strahlend aus ruhigen Augen, im Schaffen oder im Erhalten, im Gewaltigen und im Feinen, Zarten. Es muss doch sein Wunsch sein, dass unsere Herzen offenbar werden – wie sonst kann Er, der alles Leben geschaffen hat, es in der Fülle sich entfalten lassen? Was für ein herrlicher Traum, dass er durch seinen Geist sein Wesen von Geduld, Kraft, Demut, Erbarmen und Freundschaft in allen Farben von Völkern und Kulturen, allen Wesen von Temperamenten, in Männern, Frauen und Kindern hervor scheinen kann und wird!

Dani-el, Gott ist mein Richter

Die Bedeutung meines Namens Daniela hat mich ein halbes Leben in Ehrfurcht, aber auch eine Not versetzt: Gott richtet mich, er wird alle meine Schlechtigkeit aufdecken und öffentlich machen und danach die gerechte Strafe über mich kommen lassen. Jeder kennt seine Schwächen, seine kleinen Selbstlügen und Schleichwege des Lebens, die verborgen bleiben.

Dann begegnete mir ein Mann, der mir erklärte, dass mein Name sagt, dass Gott mir Recht schafft. Dieser Satz wollte gar nicht in mein schlaues Gehirn eindringen. Es fühlte sich an, als würde man ein neues Bild auf dem Kopf stehend betrachten und ringt um eine Schau. Das Auge wandert von Detail zu Detail, vermag sie einzeln zu drehen und zu erkennen, aber sofort entweicht das Einzelbild wieder und es bleiben Bruchstücke. Erst mit den Jahren war ich imstande, das Bild ganzheitlich und in seiner Tiefe zu erkennen:

Gott-Vater ist Richter, weil er Gerechtigkeit liebt. Er regelt die Streitigkeiten unter den Kindern und schafft den Beraubten und Geplagten Recht. Er greift ein, wo schwächere Menschen leiden und unterdrückt werden. Und warum tut er das nicht überall? -Weil wir ihn nicht dazu einladen und im Raum schaffen, einzugreifen – auch da, wo wir zu den Schwächeren gehören und selbst geplagt sind. Lieber wehren wir uns selbst… Aber die Erde ist uns Menschen in Verwaltung gegeben und wir entscheiden, ob ER regieren soll oder nicht.

Saison

Du wirst im Frühling oder Sommer nie ein Herbstblatt auftreiben können in dieser Schönheit und Farbenpracht wie im Herbst. Du kannst es einfrieren, pressen, fotografieren oder eingiessen – es verliert seine Herrlichkeit. Jedes Ding hat seine Saison und der glücklichste Mensch auf Erden ist der, der seine Sinne auf das Jetzige gerichtet hat – nicht auf das Vergangene und auch nicht auf das Zukünftige. Denn die grossen Gnadezeiten sind von oben gegeben und wenn wir klug sind, empfangen wir die Geschenke, die jetzt bereit liegen.

Wachstum und Entwicklung

An den Punkten im Leben, wo es nicht weiter geht wie sonst, gibt es Entwicklung. Wo ein Störung, eine Irritation einsetzt, da kommt Bewegung und Herausforderung, eine ungemütliche Dehnung und Spannung hinein. Zu schnell ärgern wir uns, wenden uns ab oder wollen der Situation ausweichen. Denn beim Gewohnten zu bleiben gibt Sicherheit und Ruhe. Aber nein, gehen wir darauf zu, lassen wir uns darauf ein, stellen Fragen und wagen, neue Wege zu entdecken.

Wunden überwinden

Früher schaute ich auf die Schäden meiner Kindheit, die Wunden meines Herzens und die daraus folgenden Unfähigkeiten und wünschte mir so sehr, eine heile Kindheit gehabt zu haben. Ich hatte viel Aggressionen, Selbstzweifel, Unsicherheit, was mein Leben zu einem Dauerkampf machte. Durch die vielen Jahre hindurch wurde mir viel Heilung zuteil – durch fürsorgliche Menschen, durch Nachtträume, durch Begegnungen mit Gott, durch Zusprüche, durch meine Ausrichtung auf Gottes Reden, die in mir eine neue Identität schufen, was meine Gedanken- und Gefühlswelt total veränderte.

Heute wird mir klar, welche Kraft aus Wunden entsteht, wenn sie geheilt sind. Hier ist nicht mehr natürliche Gabe, hier entspringt ein übernatürlicher Quell, hier manifestiert sich Hoffnung zur Realität, hier ist ein Statement, das kraftvoll in Trümmer hineinwirken kann, hier begegnet der Himmel mit seinen Möglichkeiten der begrenzten Erde. Die Erfahrung, dass Wunden überwunden werden können, ist mehr als ein unversehrtes Leben. Es ist eine tiefe und unerschütterliche Substanz des Geistes, die zum Triumph gegen alles Böse steht, ein Siegeszeichen für die Welt.

Das Böse

Das Böse kann zerstören aber nicht erschaffen, es kann lähmen aber nicht bewegen, es hat selber keine echte Substanz und ist daher abhängig und hängt sich darum auch immer irgendwo an. Es flüstert Angst und Zweifel in unsere Gedanken, versucht zu manipulieren, imitiert, lügt und bläht sich auf.

Wir sollten aber keine Angst haben, denn der Geist des Lebens ist daneben wir ein Vulkan, kraftvoll und mächtig, dynamisch und kreativ, ewig sprudelnd. So müssen wir uns nur abwenden, es abschütteln und uns dem Eigentlichen, dem Leben, zuwenden. Und schon verliert es den Einfluss und fällt wie ein leeres Tuch zu Boden. Es liegt an uns, wohin wir schauen.

Das erste Mal

Drei Menschen haben an der Hochzeit meines Ältesten das erste Mal ein Rede gehalten: Entschuldigend, unsicher etwas zitterig, aber sie hatten etwas zu sagen. Es war keine rhetorische Glanzleistung, keine ausgeklügelte, brillante Performance, aber sie haben ihr Herz geteilt, haben ehrlich und nahbar etwas von ihren innersten Gedanken an uns Hörer, die wir mit dem Rücken zum Publikum in Sicherheit weilten, verschenkt. Es war eine Schönheit, die mich berührte, ein Glanz des Menschlichen, die Feinheit des Echten.

Mir ging auf, dass das erste Mal zwar eine Unbeholfenheit an sich hat, aber auch eine jungfräuliche Herrlichkeit auf sich trägt, die ich unterschätzt hatte. Es wird Menschen geben, die ihre Nase rümpfen und lieber die Perfektion der hundertsten Repetition feiern. Aber ich habe mich grade so in das erste Mal verliebt, dass ich allen Leuten sagen möchte: Wagt etwas Neues! Es trägt eine verborgene Herrlichkeit mit sich!

Weise Wahrheit

Wahrheit kann vor den Kopf stossen und wie eine Ohrfeige wirken. Wahrheit kann Schmerz auslösen und zum Weinen bringen. Wahrheit kann verführen und vom guten Weg abbringen. Wahrheit allein ist nicht die Rettung für eine gute Zukunft und trotzdem ist sie ein Grundwert, auf den wir bauen müssen.

Die Wahrheit braucht immer einen Partner: Die Gnade, das Wohlwollen, die Liebe. Sie braucht ein Verständnis, einen Sinn. Und hier wird erst die Bedeutung klar. Wahrheit bringt Orientierung und ein Lernen, Wachstum und Tiefe, aber nur, wenn sie in gute Absicht eingehüllt ist.

Wahrheit begegnet uns immer in Worten, Bildern oder Erlebnissen und muss gedeutet und erkannt werden. Die Art und Weise, wie sie zu uns kommt, macht sie hilfreich oder zum Schrecken. So sind die Worte, Bilder oder Umstände, die eine Wahrheit vermitteln sollen, von grosser Bedeutung.

Ganze Wahrheit

Mit der Wahrheit ist es wie mit einer Kerze: Man sieht immer nur eine nahe Umgebung. Es bleiben viele Bereiche rund herum im Dunkel. Das ist eine Tatsache, die wir trotz aller Anstrengung nie ändern können, aber uns umso mehr bewusst machen müssen, wenn wir Informationen hören oder lesen.

Das eine ist, dass alle Bücher der Welt die Wahrheit nicht vollständig aufnehmen könnten, weil sie ein unendliches Netz ist mit unzählbaren Verästelungen ist. Das andere ist, dass das Medium und die Person, mit der sie vermittelt wird immer eine Färbung, eine Priorisierung und Subjektivität verursacht.

Eine wissenschaftliche, verstandesmässige Lösung gibt es darum nicht – auch nicht in der Statistik, wie wir aktuell mehr und mehr auch in politischen Fragen zugeben müssen. Die Schrift sagt, dass Gott die Wahrheit ist. Das würde bedeuten, dass er selber durch seinen Geist der nötige Filter, die Sicht und das Wort ist. Das bedeutete aber auch, dass wir ohne ihn gar nicht in der Lage sind, Wahrheit zu erkennen und Wahrheit weiterzugeben.

Aber eins bleibt unsere Sache: Sorgfalt und ein reines Gewissen walten zu lassen, wenn es gilt, von Dingen zu berichten. Und das gelingt uns, wenn wir mit den Menschen versöhnt sind und unser Herz still geworden ist.

Das Volk

Das Volk, der Pöbel, die Masse – es gibt sie nicht. Eine Menschenmenge als Klumpen zu sehen, ist der erste Schritt, Menschen zu entwürdigen. Hier beginnt der Machtmissbrauch – Alarm!

Dann die Frage: Woher kommt unser Bild der Massen? Von den Medien? Von Regierenden? Von den Intellektuellen? Jedes Bild einer Menschenmenge ist eine Lüge und degradiert den Menschen zur Sache. Die Vorstellung, dass wir das Verhalten von Menschen manipulieren können, macht uns schon schuldig. Dann nämlich werden wir verführt, es auch zu tun.

Es steht uns nicht zu, über Menschen zu herrschen, sie beeinflussen zu wollen und ihr Handeln zu manipulieren. Das haben die Verführer der Geschichte auch gemacht. Behalten wir besser den einzelnen im Auge und fokussieren uns auf unsere Umgebung: Hier bewegt sich etwas durch unser Reden und Handeln in die Richtung der Mündigkeit.

Wahrheit zum Zweck

Wahrheit muss jedem Menschen zugemutet werden, sonst entmündigen und entwürdigen wir ihn. Aber der weise Vermittler nimmt dazu Worte des Lebens, damit die Wahrheit aufbauend oder ermahnend sein kann. Dazu ist nötig, den Empfänger zu kennen und die Information vor seinem Hintergrund zu formulieren.

Aber Achtung, hier ist eine Gefahr von gutgemeinter Färbung oder Unterlassung von Informationen. So leicht werden Aussagen manipulativ und drängen den Adressanten in eine bestimmte Richtung zu denken. Wir finden dieses Problem an allen Ecken unserer Geschichte: Die Kirche, die von Hölle gepredigt hat, um ganze Nationen gefügig zu machen; Eltern, die ihre Macht zur Prägung missbrauchen für ihre Zwecke; aber eigentlich ist die ganze Politik voll von einseitigen Berichten, von Wortwahl, die Meinungen manipuliert – und wir im Westen sind davon auch nicht frei.

Letztlich müssen wir unserem Gegenüber zugestehen, dass es selber werten darf, selber eine Meinung bilden darf, selber mündig sein oder werden darf. Und hier beginnt unser Hinhören bei der gegenteiligen Meinung und unser wertschätzendes Diskutieren, wo es Raum gibt, Bedürfnisse zu benennen, Ängste zu äussern, Schwäche zu zugeben und Herz zu teilen. Am Ende sind wir alles Menschen, die zwar sehr unterschiedlich sind, aber ihr Recht auf Entscheidungsfreiheit haben.

Wie ein Gärtner

Ich neige dazu Dinge zu gestalten aber auch zu kontrollieren. Ich versuche mein Bestes zu geben und lasse nicht los. Wenn mir bewusst wird, dass ich eigentlich sehr wenig wirklich steuern kann und vieles einfach abläuft – sei es, wie meine Mitarbeiter sich verhalten, wie unsere Kunden agieren, wie sich die Marktlage entwickelt, wie das Wetter wird, was unsere Kinder tun werden – dann reagiert meine Seele mit einer spontanen kleinen Angst, weil mir bewusst wird, wie abhängig und vernetzt alles Geschehen ist.

Heute morgen aber merkte ich, dass ein Gärtner von Pflanze zu Pflanze geht und sie dann sich selbst überlässt. Oder besser gesagt wieder dem natürlichen Leben aussetzt. Er macht wenige Eingriffe, jätet, giesst und beschneidet sie, aber der Hauptteil der Zeit wächst sie einfach vor sich hin, da sie unter dem Lebenshauch des Schöpfers einfach gedeihen muss. Genauso sollte ich mich mit meinen Lebensbereichen verhalten: Ich darf, soll und kann sie einfach wieder loslassen und sie der Kraft des Lebens anvertrauen. Wie entspannend.

Ein Bild von Wahrheit

Bei einem Museumsbesuch in Göteborg hören wir die Geschichte eines Diskothekenbrandes um 1998, bei dem 62 Jugendliche das Leben verloren und über hundert Personen teils schwer verletzt wurden. Die Geschichte von vier Jugendlichen, die nicht eintreten durften und bei der Suche nach einem Hintereingang auf ein Stuhllager stiessen, das sie leichtsinnig in Brand steckten. Wir diskutieren, wie jemand auf eine solch dumme Idee kommen kann und wundern uns – auch darüber, dass wir uns nicht daran erinnern können.

Wie üblich bei solchen Nachrichten, man lässt sie stehen und geht daran vorüber. So auch ich, nicht aber meine Tochter. Sie recherchiert und findet einen interessanten Artikel, der die Geschichte in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt.

https://juedischerundschau.de/article.2021-02.islamischer-terror-der-vergessene-disco-brand-von-goeteborg-am-29-oktober-1998-mit-63-toten.html

Jetzt erst wird mir bewusst, dass die politische Korrektheit von Schweden zwar eine ‚Schubladisierung‘ des Ereignisses und die Diskriminierung von Kulturen und Religionen verhindern wollte, aber den Tatsachen und wahren Zusammenhängen so nicht gerecht wurde. Es ist so schwierig, in rechter Weise ein Geschehen zu schildern und noch schwieriger die Wahrheit zu erkennen. Wir lösen wir nur dieses Problem?

Treu

Gerechtigkeit und Freiheit sind in unserer Zeit grosse Themen, für die gekämpft und protestiert wird. Es gibt aber Themen, die heute an den Rand gerückt sind, Worte, die man selten hört. Zum Beispiel Treue. Man hört auch selten von ‚Opfer bringen‘ oder ‚aushalten‘. Und trotzdem bringen wir unsere Kinder nicht ins Heim, wenn sie nerven oder schmeissen unsere Anstellung, weil uns der Chef nicht passt.

Wir müssen über das Leben reden, das nicht voraussehbar ist. Über die Täler, die uns herausfordern oder auch mal überfordern. Es ist wichtig, dass wir ehrlich sind, wenn das Leben einen Preis kostet. Auch Beziehung kostet einen Preis und Familie auch. Treue ist das Wort, das ihn benennt. Treue spricht von einem Bund, der durch dick und dünn hält. Und durch Treue wird unser Herz stark und unsere Beziehungen werden tief und kostbar.

Spare nicht

Noch immer löst dieses Wort in mir einen kleinen Schrei aus. Ich habe so viele Jahre so sorgsam und engagiert gespart – für unsere Finanzen, für die Umwelt, für mein Gewissen. Es ist ja auch nicht per se falsch. Aber im Garten überkommt mich eine echte Not. Ich will Samen sammeln für die Saat im nächsten Jahr. Am ersten Fruchtzweig greife ich in die Samentaschen und realisiere sehr schnell, dass ich davon nicht ein Zehntel werde wachsen lassen können. Aber da sind ja noch Dutzende von Blüten herangereift – eine wahre Samenflut liegt da vor mir. Ich überlege schon, wem alles ich Samen spenden könnte – aber so viele Gärtner kenne ich nicht. Welch eine Verschwendung, welch ein Überfluss! Ich bin gänzlich überfordert! Wie nur kann meine Seele erfassen, dass das Leben überschwänglich da ist, wann werde ich es nur begreifen können!

Vorausschau

Viele Jahrzehnte habe ich in einer Reaktionshaltung gelebt: Dinge geschahen um mich herum, und ich entschied, wie ich darauf reagieren will. Schon die Freiheit, Entscheidungen treffen zu können, ist eine wunderbare Lebensqualität. Heute sehe ich viele Dinge, die noch gar nicht existieren, die ins Herzen fallen und geboren werden müssen. Mir wird bewusst, dass diejenigen Menschen die Welt gestalten, die inspiriert sind und Dinge initiieren, die uns noch nicht begegnet sind. Das Anklopfen des Neuen geschieht in unserem Geist, und wenn wir wach und verständig sind, können wir es in Existenz bringen. Agieren ist mehr als Reagieren. Selber Dinge zu schaffen und in Existenz zu rufen, macht uns zu Königen.

Geschaffen

Wir sind weder Zufall noch reine Materie. Wir sind aus einem Willen heraus entstanden, mit einer Absicht, mit einer Vorsehung, mit einem Ziel. In uns ist darum ein Suchen angelegt, das ganz natürlich nach diesem Gegenüber Ausschau hält. Wir sind so geschaffen, dass nur in diesem Austausch das Gefühl von Ganzheit entstehen kann. Und nur in der Verbindung mit dem lebendigen Schöpfer, dessen Geist auf diesem Planeten noch immer hochwirksam ist, finden wir zu dem Wesen, dass wir eigentlich sind, denn er hat uns als Unikat geformt.

Fehlt uns dieser Kontakt, werden wir in unserer Umgebung nach Bildern suchen, die uns formen und vielleicht gar nicht zu uns passen. Und wenn wir ganz unabhängig uns selbst entwickeln wollen, fehlt da immer der andere Teil, der angelegt wäre, vom Himmel her gefüllt zu werden. Wir fühlen diese Leere und den Hunger nur zu gut – oder wir ersticken sie Kraft unseres Intellekts.

Tiefe Erfüllung

Wir sehnen uns nach Erfüllung und suchen an der Oberfläche nach Erlebnissen, die uns das Leben versüssen: Bilder, Aromen und Atmosphären. Erfüllung heisst aber eigentlich gefüllt werden, das muss in die Tiefe gehen. Dafür braucht es Vertrauen und Vertrautheit, Offenheit und Nähe und passiert in der Unmittelbarkeit eines vertrauten Gegenübers, welches ein Mensch oder die Person Gottes sein kann.

Widerstand

Hartnäckig Widerstand leisten ist eine wichtige Charaktereigenschaft, die wir oft vergessen. Widerstand gegenüber den Gedanken und Einladungen, die uns und andern schaden. Festhalten an Prinzipien, für die wir uns entschieden haben. Den Blick abwenden, wenn uns die Verlockung besucht, den Ort verlassen, wenn Dinge geschehen, gegen die wir uns entschieden haben, das Fenster schliessen, anstatt es mit dem nächsten Mausklick öffnen. Manchmal müssen wir den Gesprächspartner auf ein anderes Thema lenken, weil er Dinge sagt, die unser Ohr und Herz verschmutzen – das kann herausfordernd sein.

Auch in unserem eigenen Herzen braucht es Widerstandskraft, dann, wenn wir uns unrechtmässig im Verborgenen etwas holen könnten. Aber auch, wenn Gedanken von Rache und Vergeltung oder Neid und Eifersucht uns bedrängen und peinigen. Wenn wir nicht aktiv und bewusst Widerstand leisten, werden wir halb unbewusst abdriften und weggezogen werden an einen Ort, an dem wir nicht sein wollten. Wir werden die Folgen schönreden und beginnen, uns selber zu belügen.

Es ist gut, ehrlich über unsere Widerstandskämpfe zu reden und wichtig, es auch unseren Kindern beizubringen, indem sie von den Kämpfen hören: Wir müssen stark und standhaft werden. Und wenn wir mal versagen, geben wir es besser zu, damit wenigstens unser Geist klar bleibt.

Ausländer

Man muss ja heute unglaublich achtgeben, wenn man über Kulturen und Völker etwas sagt. Genetische Eigenschaften darf man heute nicht mehr Rasse nennen. Überhaupt darüber nachzudenken, was angeboren und was angelernt ist bezüglich Geschlecht und Herkunft, ist aktuell ein heisses Eisen. Vielleicht übernehmen ja sogar die Gene mit der Zeit das, was wir eingeübt haben entgegen der früheren Erkenntnis… Aber ich möchte etwas anderes sagen.

Wenn ich Italiener miteinander so aktiv im Augenkontakt auf 30cm Gesichtsnähe reden sehe, dann denke ich, ich möchte auch diese Nähe und Intensität im Miteinander leben. Sehe ich die Bilder von Parties der afrikastämmigen Frauen, wünschte ich, ich könnte auch mit meinen Freundinnen herumhüpfen und herumtanzen wie sie. Begegne ich Skandinaviern, wundere ich mich über diese respektvolle, diskussionsfreudige Art Gespräche zu führen und würde gerne Anteil haben. Begegnen mir Franzosen, frage ich mich, wo mein Charme und meine Sinnlichkeit verloren gegangen ist und begegne ich Arabern, dann wird mir bewusst, dass das Leben mehr Schönheit, Poesie und Düfte haben könnte.

Wie arm ist mein Leben ohne sie, die Ausländer. Es hungert mich nach der Fülle des Lebens, die offenbar verteilt ist auf der ganzen Erde. Es wäre wohl gedacht, dass wie das Herz öffnen und lernen – natürlich gegenseitig.

Älter werden

Das Älterwerden hat logischerweise auch damit zu tun, dass wir mit immer mehr Unreife, Unwissenheit und Unfähigkeit um uns herum konfrontiert werden. Manchmal vergessen wir das, oder? Wir brauchen dringend ein Wachstum von Geduld, sonst werden wir bald gehässige, mürrische und motzende Kläffer je älter wir werden. Es steht uns aber echt viel besser, eine mütterlich-väterliche Haltung von jungen Eltern zu bewahren.

Geistliche Welten

Die Gedanken spiegeln die vielen existierenden geistliche Welten. Unser Geist nimmt neben den eigenen erfahrungsbegründeten Gedanken auch äussere, inspirierte Gedanken auf und ist mehr oder weniger geübt, die ‚Einfälle‘ zu unterscheiden und zu ordnen. Wir haben als Menschen die Fähigkeit, Gedanken zu übergehen und vorübergehen zu lassen oder auf Gedanken einzusteigen und ihnen Raum zu geben, bis dahin, dass wir daraus eine Handlung entstehen lassen.

Also gibt es eine Ebene des geistlichen Raumes, der als Quelle der Inspiration massgeblich Menschen beeinflussen kann, dann aber auch die Ebene des eigenen Willens, der Dinge wie ein Filter abhält oder einlässt. Beides hat seine Bedeutung. Auf der ersten Ebene finden wir die Möglichkeit, im Gestalten einer Atmosphäre und in der Fürbitte einen positiven Einfluss auf unsere Umgebung zu nehmen.

Würde

Würde erhält ein Mensch dadurch, dass ihm Verantwortung und Vertrauen übertragen wird. Das bedeutet natürlich auch, dass ihm ein Zerstörungspotential zugemutet wird. Folglich müssen wir uns nicht wundern, wenn die Welt mit Zerstörung konfrontiert ist, dann Gott hat uns Würde gegeben.

Stress

Stress ist eine irrationale Sache, die in einer Selbstüberhöhung oder in einem Trauma oder beidem begründet liegt.

Warum kommen wir unter Druck? Weil wir glauben, mehr tun zu müssen, als wir können? Weil wir Erwartungen erfüllen sollten, die in Wahrheit nicht unseren Möglichkeiten entsprechen? Weil wir uns mehr verantwortlich fühlen, als wir es tatsächlich sind? Weil wir uns vor Versagen fürchten? Weil wir einem perfekten Bild anhängen? Wenn uns klar wird, dass wir vom Herzen her erkannt sind und beurteilt werden, fällt der Stress ab. Wenn wir erkennen, dass wir ’nur‘ Mensch sind und in unserer Unvollkommenheit geliebt sind, kehrt Ruhe ein.

Vielleicht haben wir ein Trauma erlebt, das unser Sein so bedroht hat, dass sich eine Panik in unseren Gliedern abgespeichert hat. Dann wird Stress in gewissen Situationen eine unkontrollierbare Reaktion. Es lohnt sich, dieser Ursache nachzugehen – und wenn es nur die unausgesprochenen Erwartungen der Eltern war mit Liebesentzug.

Gleichzeitig kann uns auch eine Gesellschaftskultur oder unser eigener Ehrgeiz verführen, in Überforderung zu leben. Hier müssen wir reflektieren, was wir wirklich leisten können, herausfinden wo unsere Grenzen sind, aktiv unseren Platz klären und falsche Forderungen bewusst innerlich und äusserlich ausser Kraft setzen.

Eines ist sicher: Wir sind nicht geschaffen, längerfristig Stress ausgesetzt zu sein. Handeln wir!

Ratschläge

Ratschläge haben immer einen demütigenden Touch, der unseren Stolz herausfordert. Aber wenn privilegierte Menschen uns freundlich und hilfsbereit erklären, dass man dies und das hätte tun sollen, was jedoch nur möglich ist mit Ressourcen eines privilegierten Menschen, dann ist es nicht nur demütigend, sondern schmerzhaft erniedrigend. Dann beginnt es schwierig zu werden, eine Erklärung abzugeben, und wir verstummen.

Solche Momente geschehen auf allen Ebenen von Gesellschaftsschichten, was bedeutet, dass wir immer in der einen oder andern Rolle auftreten können. So sollte uns das Erleben lehren, wachsam zu sein, damit wir nicht selbst mit Ratschlägen um uns her fuchteln.

Die Prüfung

Jemand legt vor dir 1’000 € auf den Tisch und sagt: Dieses Geld ist für jemanden bestimmt, der es sehr nötig hat. Was tust du? Nimmst du es und machst Ferien? Lässt du es liegen für einen, der bedürftig ist? Tust du das gleiche, ob der Spender hinschaut oder bereits gegangen ist? Bist du in der Lage, das Geld auch im Verborgenen liegen zu lassen, weil du es momentan wirklich nicht dringend brauchst?

Prüfe dein Herz. Wir haben viele ähnliche Momente tagtäglich in unserem Leben. Gewinnen wir den inneren Kampf zur Aufrichtigkeit? Oder haben wir die Kraft dafür verloren? Wir können diese Fähigkeit trainieren, sodass wir stark werden und eine unsichtbare Krone gewinnen, die uns Türen öffnet, von deren Existenz wir keine Ahnung hatten.

In die Ruhe leiten

Wenn wir fähig werden, unser Herz in die Ruhe zu leiten, haben wir die höchste Lebensqualität gefunden.
Wir reiben uns wund an den Umständen, wenn wir versuchen, sie zur Harmonie mit uns zu zwingen. Wir jagen dem Wind nach, wenn wir das perfekte Umfeld für uns finden wollen. Wenn wir aber lernen, Frieden zu finden in der Unvollkommenheit, in Widerwärtigkeiten oder gar Angriffen, dann sind wir für das Leben gewappnet. Auflehnung ist ein Eigengoal, Rebellion raubt uns den Schlaf und Rache zieht uns mit dem andern in den Abgrund.

Wer sein Herz in die Ruhe leiten kann, hat die Tür zur Weisheit gefunden. Es ist der erste Schritt zur Versöhnung und Versöhnung ist eine starke Kraft, die nichts mit Passivität und Hoffnungslosigkeit zu tun hat, denn sie geht auf den andern zu und öffnet das Tor zum Himmel.