Blickrichtung

Die Realität ist so vielschichtig, die Wahrheit so viel grösser, als wir wahrnehmen, erfassen und beurteilen können. Es wäre anmassend, zu glauben, dass eine Person je in der Lage ist, ein sicheres Urteil oder gar eine vollkommener Überblick erhalten zu können. Sondern alles was wir denken und erkennen, ist eine Annäherung aus einer Blickrichtung. So ist die Frage nach unserer Blickrichtung entscheidender, als unser intensiver Versuch, alles vollständig zu erkennen.

Zufriedenheit

Unsere Zufriedenheit hängt direkt zusammen mit unserer Dankbarkeit. Und Dankbarkeit ist ein Ausfluss von Demut. Und Demut ist eine Entscheidung, die wir willentlich treffen können. Folglich sind wir selbst dafür verantwortlich, wie zufrieden wir sind.

Umgang mit Menschen

Wir lehren nicht Menschen, wir führen nicht Menschen, wir kooperieren nicht mit Menschen, sondern wir pflanzen in Menschen hinein. Das bedeutet, dass wir gute Samen wie Ehrlichkeit, Aufmerksamkeit, Geduld zur richtigen Zeit am richtigen Ort verschenken und in der Erwartung (nicht Forderung) leben, dass die Saat aufgeht, was so viel bedeutet wie wieder loslassen und vertrauen, das es nicht vergebens war.

Es kann lange dauern, bis eine sichtbare Pflanze und noch länger bis eine Frucht aufgeht. Aber wir werden mit Gewissheit immer mal wieder Zeugen werden von der nachhaltigen, tiefgreifenden Prägung, die unser Leben als unauslöschliche Spur hinterlässt.

Zerstörung

Zerstörung ist schlimm. Aber noch schlimmer ist, sie nicht wahrnehmen zu können, weil man sich daran gewöhnt hat. Denn das bedeutet, das kein Wiederaufbau stattfindet und keine Wiederherstellung geschehen kann. Das Klima der Umstände in dem wir aufwachsen, interpretieren wir als Kind erst mal als normal, passen uns an und könnten verpassen, uns nach etwas Besserem auszustrecken.

Motive II

Es sind unangenehme Fragen, die unser Motive aufdecken. Warum machst du das? Und warum das? Jedes Warum führt uns eine Zwiebelschicht tiefer in unseren Seelenzustand hinein, offenbart Bedürfnisse, aber auch Ängste, Blockaden, Widerstände, Feindbilder, wenn wir es zulassen. Die Frage nach dem Motiv klärt Hintergründe auf und wird zum Schlüssel für tiefgreifende Veränderung, wenn wir uns ihr stellen.

Es braucht aber auch Mut, andern diese Frage zu stellen und es braucht ein gnädiges Herz des Fragers, dass einer sich daraufhin öffnen kann. Was für eine Chance, wenn es gelingt.

Neue Gedanken

Woher kommen sie und was machen wir mit ihnen? Es sind Geistesblitze, überraschende Erkenntnisse, neue Sichtweisen, die uns inspirieren oder irritieren. Wenn wir sie prüfen und für richtig befinden, können wir sie in unsere Gescheitheits-Trophäen-Sammlung einfügen und mit ihnen in kommenden Diskussionen auftrumpfen, oder wir setzen sie in unserem Leben praktisch um, was im Moment nicht grossartig erscheint, aber sie in Existenz und Kraft bringt und irgendwann zu einer Erntezeit führen wird.

Neues Jahr

Ich liebe ihn, den Jahreswechsel: Standortbestimmung und Ausschau halten. Woher komme ich und wohin gehe ich? Den Lauf der Dinge anhalten bringt immer einen Hauch von Ewigkeit, Freiheit aber auch Vergänglichkeit. Das wiederum hilft uns, die Dinge anzupacken, die wir in unseren Herzen tragen. So endet bei uns der Jahreswechsel mit Eintragungen in die Agenda zusammen mit unseren Liebsten: Gemeinsam Essen, Spaziergänge, Wanderungen, Sitzen vor dem Cheminée, baden u.a. und mit dem Eintragen ist sichergestellt, dass es nicht beim Wunsch bleibt.

In die Tiefe hinein

Die unerreichbaren Tiefen wurden erreicht. Dass sich Gott in eine Welt von Ausbeutung und Mord als schutzloses Baby hinein gebären lässt, ist so wundersam und unergründlich, so anders als wir Menschen denken können, so irritierend und schwer verständlich, dass alle Philosophen der Welt es nicht ergründen können. Das grösste Geheimnis aller Zeiten.

Zu simpel für die Intellektuellen, zu unästhetisch für die Zivilisierten, zu demütigend für die Erfolgreichen. Man muss es einfach verdrängen oder es zu einem netten Märchen degradieren. Und es ist heute noch so wie im Gleichnis des Festmahls des Königs, dass der Zugang dazu oft nur von Zerbrochenen und Hoffnungslosen gefunden wird als letzte Hoffnung.

Was mich beschämt, ärgert und herausfordert ist, dass die meisten sich dann wie Schiffbrüchige an diese Tatsache klammern, vielleicht dieses Baby der göttlichen Hoffnung sogar in sich eingebären, aber nicht aufwachsen lassen. Es bleibt klein und wird nur ab und zu angebettelt. Aber das Baby wurde ein Mann. Seine Kraft und Schönheit wird erst wirksam, wenn er sich mit jeder Faser unseres Seins verbinden darf und so in uns volle Gestalt gewinnt. Er in uns, die Hoffnung auf Herrlichkeit – nicht erst für den Himmel danach: Jetzt in unserem Leben auf Erden!

Er in uns, das grösste Wunder überhaupt. Sein Geist eingepflanzt in unser Herz, das Flüstern, der Kuss, die tiefe Vereinigung von IHM mit uns. Die ewige Gemeinschaft, erkennbar, fühlbar, real – schon heute. Erde und Himmel unzertrennlich verbunden in mir. Höhere Freiheit über allem irdischen. Ich suche nach verwandelten Menschen in sein Ebenbild: Treu und gerecht, mutig und stark, demütig und hilfreich, schön und tief – so wie Jesus es war.

Mehr Tiefe 6

Wenn wir einem Menschen in der Tiefe begegnen wollen, im in die Augen schauen, mit echtem Interesse auf ihn eingehen und nach seinem Befinden forschen, ihm Raum zugestehen, ihn fördern, ihn bestätigen in seiner Identität, werden wir ein Ohr für ihn haben und ganz natürlich Worte finden, die ihn ermutigen, loben, und er wird vertrauensvoll offen werden sogar für Input, der eine Korrektur auslösen könnte.

Wenn ein Herz erfährt, dass es nicht angegriffen und dominiert, nicht gedrückt oder gezerrt wird, nicht missbraucht oder ausgebeutet wird, geschieht etwas Wunderbares: Es öffnet sich! Da entsteht eine neue Ebene von Begegnung, angstfrei und ohne Erwartungsdruck, ausserhalb von Rollen und Erwartungen. Vertrauen ist der Schlüssel zur Identität, zur echten Begegnung und zum freigesetzten Leben.

Wenn wir in dieser Ebene angekommen sind, ärgern wir uns nicht mehr über Ungleichheiten, stecken Versehen grosszügig weg, sind sogar bereit, Opfer zu bringen oder gar dem andern zuzudienen. Plötzlich lösen sich Machtkämpfe auf und jeder findet wie von selbst seinen passenden, für ihn zugeschnittenen Platz. Plötzlich werden Versehen nicht mehr als Angriff gedeutet, weil das Misstrauen keinen Boden mehr findet. Es funktioniert in der Ehe, in der Familie und im Geschäft. Das ist der Boden, auf dem die Welt geschaffen wurde und auf dem sie wieder aufblühen wird. Aber Achtung: Es funktioniert nicht als Rezept und Theater – das wäre ja wieder nur eine Rolle. Unser Herz muss in der Stille zu dieser Haltung finden, denn sie muss echt sein.

Mehr Tiefe 5

Wenn wir wahrnehmen und wertschätzen können, was wirklich durch unser Herz geht und es angstfrei und offen aussprechen, dann wird man Sätze hören wie: ‚Oh, ich dachte jetzt bin ich dran. Aber ok, ich warte.‘ – ,Mir ist jetzt grade was Blödes passiert, aber ich bringe es in Ordnung‘ – ‚Ich würde gerne auch noch was dazu sagen, darf ich?‘ – ‚Ich möchte es mal anders machen, ich wollte es einfach sagen‘.

Wir sind frei und solche Aussagen schaffen Freiraum für Echtheit und weisen sanft aber unmissverständlich Rollen und Erwartungen zurück. Wir müssen es täglich einüben, unser Inneres am Äusseren teilhaben zu lassen. – Was auf keinen Fall bedeutet, dass wir nicht auch Dinge tun, weil wir erkennen, dass sie von uns getan werden müssen auch ohne erhebendes Gefühl dabei. Das Murren der ungehörten Bequemlichkeit oder das Pochen auf Sättigung unseres Körpers soll uns nicht mehr dominieren, wie auch die Kränkung des übergangenen Stolzes oder das Drängen der unersättlichen Habgier unserer Seele. Wir kennen sie inzwischen und ihnen das Ruder in die Hand zu geben wäre unklug, denn sie können Terror machen bis hin zur Zerstörung.

Mehr Tiefe 4

Wenn wir es ehrlich meinen, können wir aus vollem Herzen authentisch leben. Wenn wir jedoch unlautere, hinterhältige Motive in uns kultivieren, trainieren wir das Versteckspiel ein und verwirren andere und uns selbst. Es gibt Menschen, die glauben, dass Manipulation und doppelbödige Strategien ihnen Macht verschaffen und Erfolg. Das mag stimmen um Leute herum, die auf Rollen fixiert sind und den Blick in die Tiefe nicht gelernt haben. Wer sich auf Manipulation einlässt, wird Schein und Täuschung auf sich ziehen und selbst davon Opfer werden.

Wenn wir unsere Motive reflektieren und klären und uns nicht einlassen auf ‚Räuberspiele‘, können wir in innerer Einheit und Ganzheit nach aussen Leben. Unsere Authentizität ist so machtvoll, unser reines, offenes Herz so strahlend, dass unsere echte Freundlichkeit Türen öffnet, wo wir nicht einmal Türen vermuteten. Leute reagieren mit Grosszügigkeit, mit Freude und Kooperation, dass wir überrascht und überschüttet werden.

Meine Tiefe

Zu lange baute ich an meiner Erscheinung durch die Stärken, die ich schon als Kind gespiegelt bekam. Und das Bild war überzeugend: Eine begehrenswerte, mutige und begabte Frau, die sich durchsetzen konnte, schön und intelligent. Als Teenie malte ich bis tief in die Nacht Bilder, um Lob und Anerkennung zu ernten; ich ging mit krassen Typen aus, um mir selbst zu beweisen, dass ich mich vor nichts fürchte. Mein Lebensmotiv war, Menschen zu demonstrieren, wie wertvoll, wie stark und wie begabt ich sei. Meine Gaben wurden Mittel zum Zweck, einen Platz auf dieser Erde zu erhalten, gesehen, wichtig genommen und geliebt zu werden.

Ein beeindruckender Überbau und darunter ein Schrei, der sich in meinen Träumen deutlich abbildete: Gehört, gesehen, in der Tiefe erkannt zu werden bis hin zu Selbstmordgedanken, als Rache für meine Eltern. Es kam der Tag, an dem meine Mutter mich um Vergebung bat, dass sie sich innerlich so gegen eine vierte Schwangerschaft gewehrt hatte und mich viel der Obhut der grösseren Schwester übergab. Nicht so schlimm, aber schlimm genug, dass ich litt, nicht freudig leben konnte und mich dauernd beweisen musste. Mein Platz auf Erden war nicht erwünscht und vorbereitet…

Menschen zu begegnen, die mich geduldig aushielten, mich liebevoll mit Wahrheit konfrontierten und die Begegnung mit einem Gott, der mich sieht, mich will und mich liebt, hat mein Herz weit geöffnet. In meinen Knochen ist Frieden eingekehrt, es ist schön, zu leben. Ich kann sitzen und nichts tun und erkenne die Schönheit der Welt, meine Gaben ausleben oder einfach nur sein: Es genügt ich sein zu dürfen.

Sensible Seele

Unser Inneres ist eben Innen, weil es so zerbrechlich, so fein ist, dass es diesen Schutz braucht. An Kindern erkennen wir deutlich, wie ein Mensch gemacht ist und wie zart seine Seele atmet und lebt. Im Garten der Liebe dehnt sie sich aus und entfaltet sich, unter Stichen und Schlägen zieht sie sich zurück und bildet diese harte Schale des Eigenschutzes.

(Es heisst nicht, dass die perfekte Umgebung einen perfekten Menschen bildet, da jedes Menschenherz hat seine Schlangen- und Wolfseiten hat, das wird uns heute bewusst, wo manchen Kindern die perfekte Wohlfühlzone geboten wird.)

Wir kennen das Einigeln unserer Seele: Sie verweigert sich, sie schreit oder schweigt; bäumt sich auf, rebelliert und rächt sich oder versteckt sich und will sterben. Meine Seele öffnet sich wieder an einem Ort des Schutzes, der Sicherheit und Annahme und als Folge meiner Entscheidung, loszulassen und in Versöhnung zu treten. Und manchmal braucht es Zeit, vielleicht Jahre.

Lass uns selbst ein Ort des Schutzes werden, sobald wir dazu fähig sind, damit Menschen sich wieder öffnen können und die verhärteten Stellen schmelzen, damit sie heil werden.

Mehr Tiefe 3

Rollen und Erwartungen sind Hüllen, wie ein Panzer um unser Leben und der andern herum. Es gibt die sachliche Ebene und die muss sachlich angegangen werden – aber sie ist losgelöst von unserer Person. Rollenbilder wollen uns an die sachliche Ebene fesseln und unsere Freiheit rauben. Sie uniformieren und täuschen uns Sicherheit vor.

Wenn wir Rollen und Erwartungen immer wieder überwinden und zu unserem Herzen vorstossen und das des andern, finden plötzlich ganz neue Dynamiken statt, die intensiver und wunderbarer sind, als jedes harmonische Gesellschaftsbild oder intelligente Konfliktlösungs-Konzept. Im Erkennen des eigenen Wesens und das des andern lässt eine Atmosphäre entstehen, in der sachliche Konflikte zu Krümeln schrumpfen. Wo sich Herzen in Achtung und Treue begegnen, wachsen Möglichkeiten, die zuvor undenkbar waren.

Mehr Tiefe 2

Wir verhalten uns oft wie Schauspieler in jahrelang eingeübten Rollen – und hoffentlich sind wir selbst durch die hundertfache Repetition sie nicht gänzlich geworden! Wir haben Absichten, hegen Erwartungen und begegnen Reaktionen. Wenn sie übereinstimmen, sind wir bestärkt (das ermutigt uns, noch mehr das Rollensystem zu unterstützen), wenn nicht, bekräftigen wir unseren Plan oder suchen Strategien von Kompromissen oder anderen Lösungsfindungen auf der funktionalen Ebene.

Und dann kommen die Momente, wo das innere Befinden durchdrückt: Einer fühlt sich übergangen, einer manipuliert, einer ist beleidigt. Dann wird im besten Fall über die Aufgaben und Pflichten disputiert, Ansichten und Vorstellungen diskutiert oder einer zieht missmutig den Schwanz ein, gibt nach oder verschwindet. Dann geht jeder nach Hause und holt sich für seine Rehabilitation bestärkende Zustimmung für seinen Standpunkt und seine Forderung und tröstet sich im Rechthaben.

Dieser Ablauf – tausendfach in Medien zitiert – zeigt mir, dass Menschen sich gar nie auf der Herzensebene begegnet sind, Vertrauen und Achtsamkeit keinen Eingang fanden. Mag alles funktional richtig sein – aber wir sind kein Roborter. Die sachliche Ebene ist eins, aber viel grösser und stärker wirksam ist die Herzensebene!

Mehr Tiefe 1

Mein Leben ist immer noch geprägt von Formen und Normen: Das eine sind die erzieherischen Stempelungen in meiner Seele von all den Verboten und Pflichten und das andere ist die Macht der Menschenfurcht, die Angst nicht angenommen und geliebt zu werden. Je mehr ich diese Joche meiner Seele überwunden habe, desto mehr erkenne ich in einer verblüffenden Schärfe, wo sie in mir noch immer wirksam sind.

Ich übe mich im Rollenbilder zu übertreten und gesellschaftliche Vorstellungen nicht zu erfüllen – natürlich im positiven Sinn. Ich oute meine Schwächen, sobald ich ahne, dass kein Wolf vor mir steht und manchmal bin ich mutig genug, genau dem Löwen zu demonstrieren, dass ich als Lamm glücklich leben kann. Offenheit ist entwaffnend und die Fähigkeit, echt zu sein, eine immense geistliche Kraft, die eine sehr spezielle Dynamik verbreitet.

Unverstellt

Das kostbarste ist, Menschen um uns zu haben, bei denen wir uns sicher fühlen, weil sie Treue und Respekt durch schwierige Phasen hindurch schon bewiesen haben. Da können wir ganz unverstellt, ganz ehrlich, ganz echt sein und fühlen uns rundum angenommen. Und genau hier entfaltet sich unser Wesen – und überrascht sogar uns selbst, weil es spontan und unvermittelt aufpoppen kann! Wie erfrischend für alle, wenn wir es zulassen!

Religion

sdr

Ich höre immer wieder mal den Satz: ‚Es spielt keine Rolle was man glaubt. Alle Religionen haben am Ende den gleichen Gott. Ich glaube an eine höhere Macht…‘ Das klingt so, als würde man sagen: Es ist egal, wer in der Regierung sitzt, Hauptsache, es wird regiert. Niemand würde diesen Satz sagen wollen, ist es doch eine der entscheidenden Lebensgrundlagen in einem Land, ob es ein machtgieriger Diktator steuert, oder ein verantwortungsvolles Gremium, dass Gerechtigkeit und Entwicklung anstrebt. Das schlimmste an dieser Haltung ist, sich dieser Frage zu entziehen. Es ist, als wäre einer Schweizer und würde das Privileg abzustimmen nie in Anspruch nehmen und sagen: Ich glaube, dass es irgend eine Regierung gibt, aber es interessiert mich nicht.

Meinungsfreiheit

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Wir haben eine enorme Meinungsfreiheit, ja wir können sogar unsere Meinung tausenden Leuten übers Internet anbieten. Gleichzeitig wird uns bewusst, dass unsere vermeintliche Freiheit riskant ist. Ein falscher Satz könnte uns in Ungnade fallen lassen, Shitstorms und Hasslawinen auslösen und uns derart in Bedrängnis bringen, das wir am liebsten aus der Welt scheiden wollten. Sind wir da wirklich noch frei?

Unsichtbares

Alle Existenz entspringt einer Tiefe, die unsichtbar ist. Die unsichtbare Ebene ist grösser, als das, was als Ausdruck davon sichtbar wird. Das ‚Dahinter‘ ist letztlich der Kern, das Wesen und die eigentliche Existenz.

Der Ausdruck in die sichtbare Welt hinein ist wie die blühende Blume, die der Namensträger wird und so Identifikation. Der Moment des Blühens hat seinen eigenen Termin: Irgendwann, zu ihrer Zeit, bricht sie durch und wird von jedermann gesehen – obwohl die Pflanze schon viel länger existiert.

Die Intelligenz der Menschen, ist fähig, die Blüten zu kopieren und mit viel Energie und Hingabe zusammen zu basteln. Und trotzdem, wenn wir genau hinschauen, spüren wir genau, welche ein natürlicher Ausdruck von etwas Tieferen ist oder nur eine flache Kopie.

Einklang und Widerstand

Es scheint, als hätte unter den Moslems besonders Kampf und Widerstand gedeihen können, daraus Härte, Unbarmherzigkeit bis hin zur totalen Herrschaft über andere.

Daneben sehen wir fernöstliche Religionen, unter denen besonders Versöhnung, Friedfertigkeit und Passivität hervorgehen, die Hunger, Ausbeutung und Armut neben sich schweigend tolerieren bis hin zur totalen Flucht in geistliche Sphären.

Ich beschreibe hier eine Tendenz – nicht alle und nicht immer, aber doch erkennbar. Das Leben zeigt uns, dass wir manchmal harten Widerstand gegen Ausbeutung, Missbrauch und Raub aufbringen müssen und manchmal vergebend, sanftmütig und friedfertig einen Kaktus umarmen müssen. Manchmal müssen wir mit den Händen anpacken und manchmal im Geist eine Lösung finden. Es wäre zu einfach, sich auf eines zu fokussieren.

Algorhythmen

Sie sagen uns, dass unsere Gesellschaft berechenbar handelt und sich letztlich steuern lässt. Vielleicht haben auch viele Menschen die Tiefe und Feinheit ihrer Originalität und echten Individualität überschüttet mit Ladungen von Information durch die Medien und sind so berieselt, dass es stimmt.

Wenn uns wieder mehr Stille zu Teil würde, wenn wir wieder vordringen könnten in die unergründlichen Tiefe unseres menschlichen Geistes, der den Lebensstrom berühren kann, wären wir nicht mehr von der Welt gefütterte, sondern unberechenbar, unergründlich, inspiriert vom Wesen Gottes, das sich weiss Gott nicht manipulieren lässt.

Angstfrei leben

Angstfrei leben, ist der Himmel auf Erden. Die Angst hat viele Quellen und operiert meist mit Negativerfahrung. Sie hat oft irrationale Tendenzen und ist sinn- und nutzlos und hinderlich für den Lebensweg. Es braucht die Angst nicht, um uns vor Dummheiten abzuhalten, da reicht auch eine Erkenntnis ohne diese stark negative Emotion.

Angst überwinden braucht Vertrauen, Mut und Heilung von Traumas und manchmal eine übernatürliche Befreiung. Aber es lohnt sich, die Hoffnung nicht aufzugeben und Schritte zu tun.

Ich bekämpfe die Angst aktiv, da sie Schlaf und Energie raubt, lähmt oder blockiert. Angst ist eine Lüge. Wenn ich die schlechteste Möglichkeit, den ‚worst case‘, den ich nicht abwenden kann, überdenke, lasse ich lieber mein Kontrollbedürfnis zusammen mit meiner Angst los und entscheide mich, die Angelegenheit unter mein Vertrauen in Gott zu stellen. Es beschert mir Entspannung und die Kapazität, in Wachsamkeit und sensibler Interaktion mit meiner Umgebung zu bleiben. Angst will rauben, bedrücken und zerstören – als wäre sie der Teufel selbst.

Mutter von Erwachsenen

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Ich bin verunsichert. Wie verhält sich eine Mutter um vier erwachsene Kinder? Ich spüre den Drang, mich zurückzuhalten und in dienender Rolle mich in der Küche zu verstecken. Sie reden über Politik – soll ich mitdiskutieren? Soll ich das Thema auf eine persönliche Ebene bringen versuchen – ist das erlaubt?

Ich bin verunsichert, weil ich gerne angenommen sein möchte, weil ich die Familiengemeinschaft beschützen möchte und weil meine Kinder nicht mehr abhängig sind von mir. Darin erkenne ich auch, dass ich kein Vorbild hatte, für ein gutes, passendes Mutterbild in dieser Lebensphase.

Wie kann sich eine Mutter interessieren, ohne zu bevormunden? Wie kann eine Mutter aus ihrem Leben erzählen, ohne zu langweilen? Wie kann eine Mutter einen positiven Beitrag zu den Geschwisterbeziehungen leisten, ohne zu manipulieren oder zu dominieren? Wo ist das Bild dazu zu finden?

Bindungsfähigkeit

Gemäss den Studienunterlagen meiner Tochter in der Ausbildung als Lehrerin sind die Hälfte der Leute in unserer Gesellschaft erschwert bindungsfähig, da sie schon als Kinder durch ihre Eltern eine tiefe Verunsicherung erlebt haben, 10% davon eine traumatische. Die Studie zeigt, dass in den meisten Fällen Menschen mit verunsicherter Bindungsfähigkeit diesen Mangel ihren Kindern weitergeben. Ist ja verständlich, dass eine schwach bindungsfähige Mutter in den ersten Monaten ihres Kindes genau diese tiefe Begegnung in Körper, Seele und Geist, die für seine Bindungsfähigkeit nötig wäre, nicht ausleben kann. Trotzdem sagt das Buch, dass die Bindungsunfähigkeit überwunden werden kann – wir sind lernfähig!

Tiefe der Persönlichkeit

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Kindern die Ebene von Tiefe und Begegnung mit einem Gegenüber zu lehren ist wichtiger als alle äusseren Verhaltensmuster. In der Auseinandersetzung mit sich und dem andern, entwickelt sich die eigene Identität – auch bezüglich seines Geschlechts – und Empathie und Bindungsfähigkeit wird erst möglich. An diesem Punkt kann ein Mensch ein erfülltes Leben wahrnehmen und wird fähig, gesellschaftliche Normen aus Distanz zu reflektieren und für sich freie Entscheidungen zu treffen, die auch entgegengesetzt sein können.

Gender

Der anfängliche Kampf um Gleichberechtigung von Mann und Frau hat die Suche nach dem echten Wesen unserer Identität erschwert. Die Eifersucht auf das andere Geschlecht hat uns zwar geholfen, starre Rollenbilder abzustreifen, uns aber gleichzeitig verführt, das andere Geschlecht zu imitieren und uns eine neue Last aufgelegt.

Unser Wesen liegt so tief in uns verborgen und ist so sensibel, dass es sich nicht an sich selbst entwickeln kann, es braucht ein Gegenüber, ein Spiegel, ein Vorbild. So ist ein Mensch in seiner Kindheit aber auch extrem manipulierbar, sodass die Frage nach dem richtigen Vorbild entscheidender ist, als der Versuch, möglichst kein Bild abzugeben (was letztlich gar nicht möglich ist in einer Beziehung). Welches ist das tiefe Wesen von Mann und Frau, seiner Schönheit und Kraft, und was bedeutet die Gemeinschaft der beiden?

Millionär

Es ist ein gutes Gefühl, zu realisieren, dass man auch mit viel Geld auf dem Konto gar nicht viel anders leben wollte. Vielleicht mal öfters auswärts essen, vielleicht die Wohnung etwas früher renovieren… Eigentlich ist es ganz schön, sich nicht über Steuern und sinkende Kapitalzinsen ärgern zu müssen und sich nicht über Investitionsmöglichkeiten und Anlagelösungen Gedanken machen zu müssen! Die Vermögenssorgen bin ich von vornherein los!

Eifersucht

Die Urform von Eifersucht liegt in der Geschwisterbeziehung. Da sind die geliebten Eltern und jeder möchte ihnen am nächsten sein. Aus der Sicht der Eltern ist diese Rivalität unverständlich – ist doch jedes Kind in seiner Art besonders und hat seinen Platz. Jeder Verlust wäre traumatisch! Aus der Sicht des Kindes ist das nicht nachvollziehbar. Immer stellt es sich die Frage, ob es gleich geliebt sei wie sein Bruder/seine Schwester.

Lange Jahre glaubte ich, mit kontrollierter Gerechtigkeit die Problemlösung zu finden. Ich dachte, wenn ich beweisen könnte, dass ich alle gleich behandle, würde sich rational eine Befreiung von Eifersucht einstellen. Eine gute Absicht, aber wenig hilfreich: Zwar sollen alle gleichwertig, gleich wichtig behandelt werden, aber nicht in der Art und Weise. So unterschiedlich Kinder sind, nicht austauschbar und unvergleichlich, so soll auch unsere Beziehung zu ihnen sein. Eine Freundschaft mit persönlicher Tiefe, mit originellen Kommunikations-Codes, mit eigenen Geheimnissen. Eine so individuelle Vertrautheit, dass ein Augenzwinkern den persönlichen Wink gibt; dass individuelle Orte der Begegnung und besondere Erlebnisse eine einzigartige Geschichte schreibt mit dem Kind.

Das eine Kind ist sensibel und fein – da resultieren für die Beziehungsgeschichte andere Erlebnisse und Erfahrungen daraus als bei jenem Kind, das abenteuerlustig die Welt einnimmt. Voraussetzung ist, dass wir unser Gegenüber in der Tiefe wahrnehmen wollen und uns auf diesen interaktiven Weg mit ihm einlassen. Das ist die Waffe gegen Eifersucht!

Originalität u Eifers

Wenn wir alle in der Originalität leben würden, in der wir geschaffen wurden, kämen wir nicht auf die Idee, eifersüchtig auf andere zu sein. Es käme uns schlicht gar nicht in den Sinn! Kann denn ein Fisch eifersüchtig sein auf ein grosses Hirschgeweih?

2017 Eifersucht und Originalität

Wenn wir alle in der Originalität leben würden, in der wir geschaffen wurden, kämen wir nicht auf die Idee, eifersüchtig auf andere zu sein. Es käme uns schlicht gar nicht in den Sinn! Kann denn ein Fisch eifersüchtig sein auf ein grosses Hirschgeweih?

Win win

dav

Unser Wettbewerbs-Konzept der Wirtschaft wirkt wie eine veraltete Religion, die einen einzelnen Gesichtspunkt hervorhebt, als sei es die einzig wirksame Logik unseres Systems. Daraus resultiert eine Verzerrung und Fehlinterpretation der Mechanismen. Die Fokussierung auf Wettbewerbskampf, übermässige Gewinnorientierung und Gier sollte längst von den Einsichten überholt sein, die wir von Biosystemen erhalten haben: Kreisläufe und Zyklen bestimmen ein nachhaltiges System, das sensibel auf Schwankungen reagieren kann und mit anderen Individuen symbiotisch in einem Austausch steht. Statt mit Ellbogen sein Revier verteidigen wäre ein offenes Auge und Ohr nötig, um zu realisieren, dass einer vom andern abhängig ist und jeder seinen Platz einnehmen kann und jeder dem andern zum Segen werden kann, wenn er seine spezifische Ausprägung entwickelt und schärft. Win-win statt nur Gewinn!

Wachstum

Wir denken, jetzt kommen wir so richtig zum Leben und geniessen, was wir uns erarbeitet haben, machen es uns schön und gemütlich und fühlen uns wie Könige! Wenn dieser Zustand über Jahre andauert, geschieht genau das Gegenteil davon: Wir drehen uns um uns selber, wagen nichts mehr, bewegen uns nicht mehr und lernen nichts mehr. Die Selbstzufriedenheit macht uns immer mehr unglücklich, unser Stillstand wird schleichend unser innerer Tod.

Das Leben ist dynamisch wie ein Fluss und ohne Bewegung und Wachstum endet unser Leben. Wenn wir aufhören zu Wachsen, sind wir im Begriff zu sterben, so wie wir es bei jeder Pflanze beobachten können. Darum behalte Vision, brich auf und wage Neues, auch wenn du schon 50, 60 oder 80 bist!

Geliebt sein

Geliebt sein ist wie ein Grundnahrungsmittel. Ein Leben mit mangelnder Liebe und Annahme zeigt Spuren wie Unterernährung: Fehlende Belastbarkeit und blockierte Entfaltung der Gaben und der eigenen Persönlichkeit oder gar Deformation des Inneren und äusseren Wesens – Auswirkungen ähnlich einer Krankheit. Liebe, Aufmerksamkeit und Wertschätzung ist nicht ein Luxusprodukt für besonders privilegierte Menschen, sie gleichen der Milch, die uns von Geburt an aufbauen muss, damit wir überhaupt Menschen werden.

Dank

Warum eigentlich hüpfen wir nicht täglich morgens aus dem Bett, jubeln und tanzen vor Freude und Danken Gott für dieses Leben in Sicherheit, Freiheit, Bequemlichkeit und Reichtum – wie es nie zuvor eine Generation auf diesem Planeten hatte! Warum kommt dieser Fakt, dass wir so privilegiert sind, so quer in unsere Seele hinein? Wenn unser Lebensgefühl und unser Sein grösstenteils aus Intellekt bestehen würde, müsste sich wenigstens ein kleines Glücksgefühl darüber einstellen. Aber es zeigt uns, dass unser Geist noch von einigen anderen Einflüssen bestimmt ist… – Aber nichts-desto-trotz: Wir könnten uns ja doch mal am Morgen einfach auf diese Einsicht einlassen und ein Tänzchen vollführen. Gerechtfertigt wäre es auf jeden Fall!

Weitergehen

Wenn dir dein Arbeitsumfeld vertraut geworden ist und du dich sicher und kompetent fühlst, solltest du dir die Frage stellen, wann und wo es weiter geht. Es ist der Moment, dein Feld einem Nachkommenden weiterzugeben. Wenn wir beweglich und lebendig bleiben wollen, sollten wir nicht aufhören, in irgend einer Weise zu wachsen – in welcher Form auch immer.

Schlagzeile

dav

Du liest: Zwanzigjähriger fährt frontal in einen 70-jährigen Autolenker. Welches Kopfkino geht bei dir ab?

Wieder ein junger Raser, rücksichtslos und aggressiv, hat wieder ein Opfer gefordert! – Oder: Heute fahren ja Rentner, bis sie das Lenkrad nicht mehr halten können, die sind eine tägliche Gefahr!

Diese Gedanken spiegeln deine Erlebnisse und Erfahrungen, die dich geprägt haben, dich aber auch manipulieren und täuschen. Achtung: Nicht alle und nicht immer! Erst mal alles lesen und genau hingucken. Es gibt noch tausend andere Varianten…

Fünf bis sieben Mal

sdr

Das erste und zweite Mal ist neu, herausfordernd, irritierend und anstrengend. Mit dem dritten und vierten Mal wird es vertrauter und angenehmer. Beim fünften Mal wissen wir, wie’s geht und fühlen uns gut. Das dauert eine Zeit bis sich dann beim zehnten oder fünfzehnten Mal eine Langeweile einstellt und bald ein Hunger nach Neuem entsteht.

Ich erinnere mich ans Spiel mit den Kleinkindern: Erst erschrecken sie, dann finden sie gefallen bis hin zum total überdrehten Lachen und später beim fünfzehnten Mal verlieren sie das Interesse.